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wiki:1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen

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wiki:1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen [2026/01/12 14:57] – [462] Norbert Lüdtkewiki:1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen [2026/01/12 15:25] (aktuell) – [461] Norbert Lüdtke
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 Eifer fallen sie da ein, bis das ganze Elend des angeblichen „Amüsements" zu Tage kommt! Und wenn sie das erste mal wirklich noch mit der Hoffnung, sich zu „amüsiren," abgereist waren, das zweite mal ist kein Zweifel mehr, daß auch sie bloß noch aus Mode reisen. Nur eine Klasse giebts, die sich wirklich „amüsirt," das sind die, die unterwegs besser leben als zu Hause, gern Bekanntschaften machen, Toiletten sehen, in die Konzerte gehen u. s. w. Aber was hat das mit dem Reisen zu thun? Hier macht es eben die Ferienstimmung und die etwas größere Opulenz einiger Wochen, und die gönnen wir ihnen von Herzen.  Eifer fallen sie da ein, bis das ganze Elend des angeblichen „Amüsements" zu Tage kommt! Und wenn sie das erste mal wirklich noch mit der Hoffnung, sich zu „amüsiren," abgereist waren, das zweite mal ist kein Zweifel mehr, daß auch sie bloß noch aus Mode reisen. Nur eine Klasse giebts, die sich wirklich „amüsirt," das sind die, die unterwegs besser leben als zu Hause, gern Bekanntschaften machen, Toiletten sehen, in die Konzerte gehen u. s. w. Aber was hat das mit dem Reisen zu thun? Hier macht es eben die Ferienstimmung und die etwas größere Opulenz einiger Wochen, und die gönnen wir ihnen von Herzen. 
  
-Aber man sieht doch auf Reisen so viel schönes, großes, bedeutendes, man muß doch etwas lernen! Nein; man sträubt sich mit Händen und Beinen dagegen, etwas zu lernen, auch nur sehen zu lernen. Wo bliebe denn auch die Bildung, wenn man der Frau, den Kindern, den Mitreisenden oder auch bloß sich selber eingestehen müßte, daß man noch etwas lernen und neu an sich erfahren könne? Das geht nicht. Das ist denn auch der Grund für das widerwärtige Benehmen der meisten Reisenden. Darum tritt man allem bedeutenden, das man sieht, mit bornirter Überlegenheit entgegen, wiselt um so eifriger darüber, je ernsthaftere Anforderungen die Dinge stellen, und ist hinterher gerade so klug wie zuvor. Wie viel besser waren doch die Leute dran, die in einer Zeit lebten, wo ihnen noch nicht Familienjournale, Wandervorträge und ähnliche Lackirmittel einen unklaren Schimmer von allem möglichen beigebracht hatten, wo sie, wenn sie reisten, ohne Halbwisserei an das Einzelne wie das Ganze hinantraten und sich stets von neuem freudig überrascht mit Ernst und Liebe daran machten, zu verstehen und auf sich wirken zu lassen! Wie viel tausendmal größer ist das Vergnügen, der Schilderung in den naiven Aufzeichnungen eines über Venedig gereisten ehrsamen Pilgers des fünfzehnten Jahrhunderts zu lauschen, als den Erzählungen eines modernen „vielgereisten" Kommerziensrats! +Aber man sieht doch auf Reisen so viel schönes, großes, bedeutendes, man muß doch etwas lernen! Nein; man sträubt sich mit Händen und Beinen dagegen, etwas zu lernen, auch nur sehen zu lernen. Wo bliebe denn auch die [[bildungsreise|Bildung]], wenn man der Frau, den Kindern, den Mitreisenden oder auch bloß sich selber eingestehen müßte, daß man noch etwas lernen und neu an sich erfahren könne? Das geht nicht. Das ist denn auch der Grund für das widerwärtige Benehmen der meisten Reisenden. Darum tritt man allem bedeutenden, das man sieht, mit bornirter Überlegenheit entgegen, wiselt um so eifriger darüber, je ernsthaftere Anforderungen die Dinge stellen, und ist hinterher gerade so klug wie zuvor. Wie viel besser waren doch die Leute dran, die in einer Zeit lebten, wo ihnen noch nicht Familienjournale, Wandervorträge und ähnliche Lackirmittel einen unklaren Schimmer von allem möglichen beigebracht hatten, wo sie, wenn sie reisten, ohne Halbwisserei an das Einzelne wie das Ganze hinantraten und sich stets von neuem freudig überrascht mit Ernst und Liebe daran machten, zu verstehen und auf sich wirken zu lassen! Wie viel tausendmal größer ist das Vergnügen, der Schilderung in den naiven Aufzeichnungen eines über Venedig gereisten ehrsamen [[pilger|Pilgers]] des fünfzehnten Jahrhunderts zu lauschen, als den Erzählungen eines modernen „vielgereisten" Kommerziensrats! 
  
-Wir können unsre Behauptung, daß es beim Reisen nicht mehr auf die Erweiterung des Gesichtskreises ankomme, auch durch eine Art gelehrter Empirie begründen. Der Leser begleite uns einmal in die Räume einer größern Bibliothek. Da stehen seit dem sechzehnten Jahrhundert alle die mehr oder minder handlichen, gar nicht schlechten Anleitungen, wie man reisen soll nicht, um gut durchzukommen, diese giebts natürlich auch, sondern um etwas dauerndes davon zu haben, von Zwingers Methodus apodemica und der Nürnberger Ars peregrinandi an bis zu Haeffelins Discours de l'influence des voiages sur les progrès des arts u. a. Über die Schwelle unsrer Zeit haben sie sich nicht gewagt, nicht wagen dürfen. Denn Neumeyers Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen und Issels Istruzioni per viaggiatori nebst den entsprechenden französischen Werken darf man nicht hierher rechnen, das sind wuchtige Bücher zur Vorbereitung für Forschungs +Wir können unsre Behauptung, daß es beim Reisen nicht mehr auf die Erweiterung des Gesichtskreises ankomme, auch durch eine Art gelehrter Empirie begründen. Der Leser begleite uns einmal in die Räume einer größern Bibliothek. Da stehen seit dem sechzehnten Jahrhundert alle die mehr oder minder handlichen, gar nicht schlechten Anleitungen, wie man reisen soll nicht, um gut durchzukommen, diese giebts natürlich auch, sondern um etwas dauerndes davon zu haben, von ''Zwingers'' //Methodus apodemica// [→ [[zeitleiste_reiseanleitungen_16._jahrhundert|Reiseanleitungen 1577]] ] und der Nürnberger //Ars peregrinandi// an bis zu ''Haeffelins'' //Discours de l'influence des voiages sur les progrès des arts//  [→ [[zeitleiste_reiseanleitungen_18._jahrhundert|Reiseanleitungen 1775]] ]  u. a. Über die Schwelle unsrer Zeit haben sie sich nicht gewagt, nicht wagen dürfen. Denn [[ausstellungsliste_reisende_a_bis_z#Georg von Neumayer 1826–1909|Neumeyers]] Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen und ''Issels'' //Istruzioni per viaggiatori// nebst den entsprechenden französischen Werken darf man nicht hierher rechnen, das sind wuchtige Bücher zur Vorbereitung für Forschungs-
  
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-reisende; auch Burckhardts Cicerone nicht, der ein Spezialwerk ist, nur zum Genuß in den Museen verhelfen will und erschreckend wenig dazu benutzt wird. Man will eben gar nicht; tausende und abertausende kaufen zwar den Bädeker, aber benuhen nur die praktischen Führerangaben darin; wer die doch so vortrefflich klaren und knappen kunstgeschichtlichen Einleitungen von Anton Springer gelesen hat, ist geradezu als ein weißer Rabe zu betrachten. Die meisten haben es allerdings vorgehabt und es auf die Eisenbahnfahrt oder auf öde Stunden im Gasthof verschoben; da sind sie aber schließlich doch nicht dazu gekommen. +reisende; auch ''Burckhardts'' [[cicerone|Cicerone]] nicht, der ein Spezialwerk ist, nur zum Genuß in den Museen verhelfen will und erschreckend wenig dazu benutzt wird. Man will eben gar nicht; tausende und abertausende kaufen zwar den Bädeker, aber benuhen nur die praktischen Führerangaben darin; wer die doch so vortrefflich klaren und knappen kunstgeschichtlichen Einleitungen von Anton Springer gelesen hat, ist geradezu als ein weißer Rabe zu betrachten. Die meisten haben es allerdings vorgehabt und es auf die Eisenbahnfahrt oder auf öde Stunden im Gasthof verschoben; da sind sie aber schließlich doch nicht dazu gekommen. 
  
-Freilich giebt es auch noch Leute, die das Herz voll Sehnsucht und mit glühenden Wangen sich alles in der Stille aneignen, was als tüchtige Vorbereitung auf eine bedeutendere Reise gelten kann. Solche findet man unter Primanern, Studenten, Lehrern und Lehrerinnen, angehenden Pastoren, jungen an den Kontorsessel gebannten Kaufleuten, überhaupt unter Leuten, die dann aus Mangel an Geldüberfluß vielleicht gar nicht dazu kommen. Die Hauptmasse der Reisenden sind aber doch die andern. +Freilich giebt es auch noch Leute, die das Herz voll [[sehnsucht|Sehnsucht]] und mit glühenden Wangen sich alles in der Stille aneignen, was als tüchtige Vorbereitung auf eine bedeutendere Reise gelten kann. Solche findet man unter Primanern, Studenten, Lehrern und Lehrerinnen, angehenden Pastoren, jungen an den Kontorsessel gebannten Kaufleuten, überhaupt unter Leuten, die dann aus Mangel an Geldüberfluß vielleicht gar nicht dazu kommen. Die Hauptmasse der [[reisende|Reisenden]] sind aber doch die andern. 
  
 Ich bitte den Leser, den ich keineswegs bloß nach der Regel über die „Anwesenden" ausnehme, sondern den ich darum, weil er Grenzbotenleser ist, auf meiner Seite vermute, sich einmal an das Publikum zu erinnern, mit dem er auf Reisen zusammengepfercht worden ist - man kann es ja leider nur viel zu wenig vermeiden, die Gespräche im Bahnwagen und auf dem Dampfschiff mit anzuhören -, sich zu erinnern, was da für Reiseeindrücke ausgetauscht werden! Du, Männchen, das war mal ein netter Kellner in Desenzano – Nee, wenn das ein Beefsteak sein sollte! Ja, Mailand, das is ne famose Stadt! Schon der Bahnhof! - Verona, nee, da waren wir nicht, das heißt wir sind gleich durchgefahren Was die in Interlaken für Betten hatten! Nee, wenn ich kein ordentliches Federbette kriegen kann Nee, in der Schackothek waren wir nicht, wir hatten uns gleich vorgenommen, bloß in die Kunstausstellung zu gehen Na, ich danke! Einmal sind wir in ein italienisches Hotel gegangen. Einmal und nie wieder! In Basel auf der Münsterterrasse ach, wo der betrunkene Kerl auf der Bank eingeschlafen war? Meyers, die sind schöne dumm gewesen mit ihrem Italienisch lernen; wir sind überall mit Deutsch durchgekommen! Papa, guck doch mal aus! ruft die fünfzehnjährige Tochter. Dem Papa fällt es gar nicht ein; er will sich und seiner Familie einen Aufenthalt in der Schweiz leisten, was geht es ihn an, wenn es schon zwischen München und Lindau schön ist? - Station Hirschsprung! ruft der Schaffner auf der badischen Höllenthalbahn, da oben können die Herrschaften den Hirsch sehen! Der Zug hält inmitten einer großartigen Gebirgsscenerie, senkrechte Felsen engen von beiden Seiten den Paß zu einer Klamm ein, durch die rauschend und Kühle atmend der Wildbach strömt, mächtige, langbärtige Schwarzwaldtannen streben  Ich bitte den Leser, den ich keineswegs bloß nach der Regel über die „Anwesenden" ausnehme, sondern den ich darum, weil er Grenzbotenleser ist, auf meiner Seite vermute, sich einmal an das Publikum zu erinnern, mit dem er auf Reisen zusammengepfercht worden ist - man kann es ja leider nur viel zu wenig vermeiden, die Gespräche im Bahnwagen und auf dem Dampfschiff mit anzuhören -, sich zu erinnern, was da für Reiseeindrücke ausgetauscht werden! Du, Männchen, das war mal ein netter Kellner in Desenzano – Nee, wenn das ein Beefsteak sein sollte! Ja, Mailand, das is ne famose Stadt! Schon der Bahnhof! - Verona, nee, da waren wir nicht, das heißt wir sind gleich durchgefahren Was die in Interlaken für Betten hatten! Nee, wenn ich kein ordentliches Federbette kriegen kann Nee, in der Schackothek waren wir nicht, wir hatten uns gleich vorgenommen, bloß in die Kunstausstellung zu gehen Na, ich danke! Einmal sind wir in ein italienisches Hotel gegangen. Einmal und nie wieder! In Basel auf der Münsterterrasse ach, wo der betrunkene Kerl auf der Bank eingeschlafen war? Meyers, die sind schöne dumm gewesen mit ihrem Italienisch lernen; wir sind überall mit Deutsch durchgekommen! Papa, guck doch mal aus! ruft die fünfzehnjährige Tochter. Dem Papa fällt es gar nicht ein; er will sich und seiner Familie einen Aufenthalt in der Schweiz leisten, was geht es ihn an, wenn es schon zwischen München und Lindau schön ist? - Station Hirschsprung! ruft der Schaffner auf der badischen Höllenthalbahn, da oben können die Herrschaften den Hirsch sehen! Der Zug hält inmitten einer großartigen Gebirgsscenerie, senkrechte Felsen engen von beiden Seiten den Paß zu einer Klamm ein, durch die rauschend und Kühle atmend der Wildbach strömt, mächtige, langbärtige Schwarzwaldtannen streben 
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-hinaus gehindert, darum scheint ihnen sogar der deutsch-schweizerische Gastwirt sympathischer als der Italiener und der, so weit er nicht gerade manifestirt oder Zeitungsartikel schreibt, grundliebenswürdige Franzose. Gegessen haben sie fast nur in dem „von Deutschen frequentirten" Gasthofe und nur hie und da einmal etwas landesübliches probirt, um sich darüber lustig zu machen. Die Weine Italiens hatten sie sich in der Art der süßen griechischen Weine vorgestellt und haben sie nun mit Verwunderung „sauer" gefunden, was sie gar nicht sind (diese Weinenttäuschung erlebt übrigens der an die süße, fuselige Weinpanscherei gewöhnte Norddeutsche schon am Rhein und in Baden). Von den Sehenswürdigkeiten, die sie massenhaft zu sich genommen haben, haften ein paar Glanznummern der Natur, wie die blaue Grotte, der Rheinfall wenn der Rhein nämlich tüchtig Wasser hat, sonst war auch da ihre Erwartung in falsche Bahn gelenkt oder die Bastei, von menschlichen Leistungen die augenfälligsten, wie der Trocadero, kühne Bahnbauten, glänzende Vergnügungsorte, der schiefe Turm in Pisa und der Mailänder Dom, sonst vielleicht noch Juliens Grab in Verona und das Nürnberger Bratwurstglöckle. Die Bauten, Denkmäler, Kleinodien dagegen, deren Ruhm noch aus älterer, feinsinnigerer Zeit stammt, sind ihnen unbehaglich gewesen, wie die Museen und Galerien auch, und wenn sie sich trokdem verpflichtet fühlen, etwas darüber zu sagen, so wissen sie doch nur noch, daß in den sogenannten Stanzen ein Bild sei, wo Apollo verrückterweise eine Geige spiele, und finden, am gräßlichsten seien „die Botticellis" gewesen, die Bädeker so herausstreicht. Nee, da lob ich mir doch die drei Parzen von Thumann und „Verlassen“ von Bodenhausen. Ach, und wieviel Unanständiges haben sie gesehen, besonders die Damen, unanständig mit spitzem st, diese niederdeutsche Spezialität aus den Landen der Tingeltangel und der Prüderie. Von dem wüsten Zeug der „historischen" Führererklärungen ist natürlich auch nichts mehr übrig, aber dies und nur dies empfinden sie gelegentlich im geheimen als einen Mangel in dem Erfolg ihrer Reise. Und doch ist, daß sie das wieder vergessen haben, vielleicht noch das Beste dabei. Aber die Unfähigkeit, mit Erfolg zu reisen kann doch nicht darin allein wurzeln, daß der moderne Bildungsproz überall ängstlich vermeidet, ehrliche Wißbegier zu bekennen und statt dessen sich selber produzirt. Das allein würde doch die Thatsache noch nicht erklären, daß gerade der Berliner von allen der ungeschickteste und verständnisloseste Reisende ist. Denn jener Bildungsdusel ist leider nicht auf die Berliner beschränkt, und andrerseits ist auch der naivere und von Renommisterei fremde Ausnahmeberliner nicht besser daran. Darum müssen wir annehmen, daß der Berliner in seiner Eigenschaft als Großstädter besonders schlecht zum erfolgreichen Reisen geeignet sei, und daß ihn stärker als den Nichtgroßstädter objektive Schwierigkeiten hindern. Wir müssen also, um diese festzustellen, ihn einmal besonders ins Auge fassen. Am deutlichsten +hinaus gehindert, darum scheint ihnen sogar der deutsch-schweizerische Gastwirt sympathischer als der Italiener und der, so weit er nicht gerade manifestirt oder Zeitungsartikel schreibt, grundliebenswürdige Franzose. Gegessen haben sie fast nur in dem „von Deutschen frequentirten" Gasthofe und nur hie und da einmal etwas landesübliches probirt, um sich darüber lustig zu machen. Die Weine Italiens hatten sie sich in der Art der süßen griechischen Weine vorgestellt und haben sie nun mit Verwunderung „sauer" gefunden, was sie gar nicht sind (diese Weinenttäuschung erlebt übrigens der an die süße, fuselige Weinpanscherei gewöhnte Norddeutsche schon am Rhein und in Baden). Von den Sehenswürdigkeiten, die sie massenhaft zu sich genommen haben, haften ein paar Glanznummern der Natur, wie die blaue Grotte, der Rheinfall wenn der Rhein nämlich tüchtig Wasser hat, sonst war auch da ihre Erwartung in falsche Bahn gelenkt oder die Bastei, von menschlichen Leistungen die augenfälligsten, wie der Trocadero, kühne Bahnbauten, glänzende Vergnügungsorte, der schiefe Turm in Pisa und der Mailänder Dom, sonst vielleicht noch Juliens Grab in Verona und das Nürnberger Bratwurstglöckle. Die Bauten, Denkmäler, Kleinodien dagegen, deren Ruhm noch aus älterer, feinsinnigerer Zeit stammt, sind ihnen unbehaglich gewesen, wie die Museen und Galerien auch, und wenn sie sich trokdem verpflichtet fühlen, etwas darüber zu sagen, so wissen sie doch nur noch, daß in den sogenannten Stanzen ein Bild sei, wo Apollo verrückterweise eine Geige spiele, und finden, am gräßlichsten seien „die Botticellis" gewesen, die Bädeker so herausstreicht. Nee, da lob ich mir doch die drei Parzen von Thumann und „Verlassen“ von Bodenhausen. Ach, und wieviel Unanständiges haben sie gesehen, besonders die Damen, unanständig mit spitzem st, diese niederdeutsche Spezialität aus den Landen der Tingeltangel und der Prüderie. Von dem wüsten Zeug der „historischen" Führererklärungen ist natürlich auch nichts mehr übrig, aber dies und nur dies empfinden sie gelegentlich im geheimen als einen Mangel in dem Erfolg ihrer Reise. Und doch ist, daß sie das wieder vergessen haben, vielleicht noch das Beste dabei.  
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 +Aber die Unfähigkeit, mit Erfolg zu reisen kann doch nicht darin allein wurzeln, daß der moderne Bildungsproz überall ängstlich vermeidet, ehrliche Wißbegier zu bekennen und statt dessen sich selber produzirt. Das allein würde doch die Thatsache noch nicht erklären, daß gerade der Berliner von allen der ungeschickteste und verständnisloseste Reisende ist. Denn jener Bildungsdusel ist leider nicht auf die Berliner beschränkt, und andrerseits ist auch der naivere und von Renommisterei fremde Ausnahmeberliner nicht besser daran. Darum müssen wir annehmen, daß der Berliner in seiner Eigenschaft als Großstädter besonders schlecht zum erfolgreichen Reisen geeignet sei, und daß ihn stärker als den Nichtgroßstädter objektive Schwierigkeiten hindern. Wir müssen also, um diese festzustellen, ihn einmal besonders ins Auge fassen. Am deutlichsten 
  
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-läßt sich das Verhalten unsrer Spreeathener auf Reisen und Touren mit ihnen in Deutschland selber beobachten; im Auslande hebt sich der Gegensatz zu andern Deutschen nicht so scharf ab. Ich habe einst mit lieben Freunden aus Berlin, tüchtigen, gescheiten, daneben natürlich etwas schnoddrigen Leuten, als Student vom wunderschönen Heidelberg aus Odenwald- und Schwarzwaldtouren gemacht, und wenn wir uns verregnet und halb verirrt in das elendeste kleine Einödhaus flüchteten, wo nebenbei ein bischen Gastwirtschaft für Landbriefträger und Waldarbeiter betrieben wurde damals blühte das Sommerfrischen- und Luftkurortwesen noch nicht so auf diesen weltentrückten Höhen, da forderten sie dann stets ein Glas Bier und ein belegtes Butterbrot. Das war gerade so, als wollte jemand auf Rügen ein Viertel „Neuen" und ein saures Leberle verlangen. Was half alles predigen, ein Zwetschgenwasser könnten sie haben und ein paar Eier, vielleicht eine Landjägerwurst oder „Servila" (Cervelat, eine kleine kugelige Fleischwurst) und ein Glas nicht vom schlechtesten Landwein nein, es wurde forträsonnirt, und bei der nächsten derartigen Einkehr ging es gerade wieder so. In Tirol nicht weit von Wörgl und Kufstein saßen wir einmal in der Kantine eines kleinen Bergwerks oder vielmehr daran, nämlich auf dem schmalen Bret, das als Bank außen an dem Verschlag befestigt war, und ließen die Beine über den fast hundert Meter tiefen Abgrund baumeln. Die Arbeiter, die auch gerade frühstückten, waren freundlich zusammengerückt, und wie sie, schnitten auch wir mit dem Taschenmesser in das gemeinsame Brot und stocherten außerdem in einem opulenten Spiegeleiermahl herum. Gerade wurde auch ein Fäßchen schäumenden Biers angesteckt da bestellt so ein Unglücksmensch vom grünen Strand der Spree - Brauselimonade! Und dann der Lärm, weil keine dawar! Daß ein Berliner zu irgend einer andern Mundart je das geringste Verhältnis gewönne, kommt auch kaum vor, es ist das beste, sie versuchens gar nicht, denn die mit lauter falschen Sch-Lauten vermengte Jüdelei, die sie dann für „süddeutsch" ausgeben (die großen Unterschiede der bairischen, der alamannischen und der fränkischen Mundart merken sie gar nicht), genügt, einen geradezu wild zu machen. Das widerwärtigste und unzuträglichste aber ist das ewige und sich nie genug thuende Wizeln und spöttische Fragen über alles und jedes, was ander ists als in Berlin und Stegliz, seis Speise und Trank, seis Lebensgewohnheit, seis einfacher, offner Sinn, und vor allem über das, was wirklich besser ist. Seit Jahren schon ist mir aufgefallen, daß immer im späten September und im Oktober ein Hauch erneuter Preußenabneigung durch die Baiern und ihre kleine lokale Presse geht, und daß man auch sonst in süddeutschen Landen gerade um diese Zeit das alte böse Wort vom „.hungrige Preiß" wieder zu hören bekommt. Wie soll das gerade um diese Zeit entstehen, wenn nicht als unwillkürlicher Nachruf an den eben wieder abgezognen Schwarm des Berliner und verwandten Sommerfrischler- und Touristentums +läßt sich das Verhalten unsrer Spreeathener auf Reisen und Touren mit ihnen in Deutschland selber beobachten; im Auslande hebt sich der Gegensatz zu andern Deutschen nicht so scharf ab.  
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 +Ich habe einst mit lieben Freunden aus Berlin, tüchtigen, gescheiten, daneben natürlich etwas schnoddrigen Leuten, als Student vom wunderschönen Heidelberg aus Odenwald- und Schwarzwaldtouren gemacht, und wenn wir uns verregnet und halb verirrt in das elendeste kleine Einödhaus flüchteten, wo nebenbei ein bischen Gastwirtschaft für Landbriefträger und Waldarbeiter betrieben wurde damals blühte das Sommerfrischen- und Luftkurortwesen noch nicht so auf diesen weltentrückten Höhen, da forderten sie dann stets ein Glas Bier und ein belegtes Butterbrot. Das war gerade so, als wollte jemand auf Rügen ein Viertel „Neuen" und ein saures Leberle verlangen. Was half alles predigen, ein Zwetschgenwasser könnten sie haben und ein paar Eier, vielleicht eine Landjägerwurst oder „Servila" (Cervelat, eine kleine kugelige Fleischwurst) und ein Glas nicht vom schlechtesten Landwein nein, es wurde forträsonnirt, und bei der nächsten derartigen Einkehr ging es gerade wieder so. In Tirol nicht weit von Wörgl und Kufstein saßen wir einmal in der Kantine eines kleinen Bergwerks oder vielmehr daran, nämlich auf dem schmalen Bret, das als Bank außen an dem Verschlag befestigt war, und ließen die Beine über den fast hundert Meter tiefen Abgrund baumeln. Die Arbeiter, die auch gerade frühstückten, waren freundlich zusammengerückt, und wie sie, schnitten auch wir mit dem Taschenmesser in das gemeinsame Brot und stocherten außerdem in einem opulenten Spiegeleiermahl herum. Gerade wurde auch ein Fäßchen schäumenden Biers angesteckt da bestellt so ein Unglücksmensch vom grünen Strand der Spree - Brauselimonade! Und dann der Lärm, weil keine dawar! Daß ein Berliner zu irgend einer andern Mundart je das geringste Verhältnis gewönne, kommt auch kaum vor, es ist das beste, sie versuchens gar nicht, denn die mit lauter falschen Sch-Lauten vermengte Jüdelei, die sie dann für „süddeutsch" ausgeben (die großen Unterschiede der bairischen, der alamannischen und der fränkischen Mundart merken sie gar nicht), genügt, einen geradezu wild zu machen. Das widerwärtigste und unzuträglichste aber ist das ewige und sich nie genug thuende Wizeln und spöttische Fragen über alles und jedes, was ander ists als in Berlin und Stegliz, seis Speise und Trank, seis Lebensgewohnheit, seis einfacher, offner Sinn, und vor allem über das, was wirklich besser ist. Seit Jahren schon ist mir aufgefallen, daß immer im späten September und im Oktober ein Hauch erneuter Preußenabneigung durch die Baiern und ihre kleine lokale Presse geht, und daß man auch sonst in süddeutschen Landen gerade um diese Zeit das alte böse Wort vom „.hungrige Preiß" wieder zu hören bekommt. Wie soll das gerade um diese Zeit entstehen, wenn nicht als unwillkürlicher Nachruf an den eben wieder abgezognen Schwarm des Berliner und verwandten Sommerfrischler- und Touristentums 
  
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-Noch eine Eigenschaft des Norddeutschen, gegen die sich ja sonst nichts sagen läßt, trägt zu solchen Ärgernissen bei: daß er nämlich nicht so leichtherzig und ohne alle Renommisterei ein paar Groschen mehr als nötig ausgiebt, wie das der Süddeutsche thut, und daß er beim Bezahlen gern viel fragt und nachfragt und wieder fragt und sich wundert, statt selber vorher zu rechnen, wie es der des Landesbrauchs kundige Autochthone und jeder gewandtere Fremde thut. Aber das würde noch nicht viel schaden, wenn nicht die infame Gewohnheit des Berliners dazukäme, dort, wo noch der Väter biedre Sitten und Preise herrschen, zu fragen, aber wohlweislich immer erst, wenn er schon bezahlt hat: Nu sagen Se mal, wie können Se eijentlich bei die Preise bestehen? Dann ärgert sich natürlich der Herr Wirt zum Auerhahn oder zum Rebstock oder zum goldnen Lamm, daß er nicht mehr gefordert hat, trägt aber diesen Ärger dem Fremden nach und nimmt sich vor, das nächste Jahr seinen Gästen nicht wieder so einfältig vorzukommen. Das meiste offne Vergnügen an allem fremden Wesen und die ehrlichste, oft freilich etwas komisch herauskommende Bemühung, sich ihm anzupassen, findet man auf Reisen bei dem Sachsen. Wie mag das kommen? Am Ende ist es wohl derselbe Zug, der die Sachsen auch zu so höflichen Leuten macht Ausnahmen bestätigen die Regel. Dagegen sind die Sachsen, wenigstens nach unsern vielleicht unzulänglichen Beobachtungen, auch die, die am leichtesten etwas kleinlich werden und ihren ganzen Reiseplan, die Wahl ihres Seebades u. s. w. möglichst nach der Billigkeit und dem, was fürs Geld geboten wird, einrichten. Doch nun zu der Erklärung, weshalb gerade der Berliner so besonders ungenießbar als Reisender ist. Daran ist, wir deuteten es schon an, zwar auch sein Gefühl der Überlegenheit im allgemeinen schuld, dann aber als objektive Ursache doch auch seine besondre Lage. Berlin ist eine große Stadt geworden; anderthalb Millionen Menschen leben dort mit gleicher Ausdrucksweise und trok aller sozialen Unterschiede, trok aller Verschiedenheit des Anteils und des ihnen zugänglichen Raffinements doch im ganzen mit den gleichen materiellen Begriffen und Neigungen. Dazu kommt, daß nicht bloß der geborne Berliner Begriffe wie „Eisbein" oder „ein Echtes" mit der absolut gewährleisteten Sicherheit, verstanden zu werden, gebraucht, er hört auch fortwährend, daß die zahllosen Ostpreußen, Mecklenburger u. s. w. und kaum minder auch die West- und Süddeutschen in Berlin diese Ausdrücke ohne weiteres mitgebrauchen, er hört von ihnen selten einmal ein andres Wort. Ferner bringt es die Eigentümlichkeit des Berliner Gassenpublikums und Schusterbubentums mit sich, daß man auch in „Kreisen," denen feinere kulinarische Genüsse verschlossen bleiben, diese Genüsse doch vom Hörensagen recht genau kennt und die aristokratischen oder bourgeoismäßigen Bezeichnungen dafür gern parodistisch verwendet. Durch alles das muß sich dem Berliner die Meinung einprägen, +Noch eine Eigenschaft des Norddeutschen, gegen die sich ja sonst nichts sagen läßt, trägt zu solchen Ärgernissen bei: daß er nämlich nicht so leichtherzig und ohne alle Renommisterei ein paar Groschen mehr als nötig ausgiebt, wie das der Süddeutsche thut, und daß er beim Bezahlen gern viel fragt und nachfragt und wieder fragt und sich wundert, statt selber vorher zu rechnen, wie es der des Landesbrauchs kundige Autochthone und jeder gewandtere Fremde thut. Aber das würde noch nicht viel schaden, wenn nicht die infame Gewohnheit des Berliners dazukäme, dort, wo noch der Väter biedre Sitten und Preise herrschen, zu fragen, aber wohlweislich immer erst, wenn er schon bezahlt hat: Nu sagen Se mal, wie können Se eijentlich bei die Preise bestehen? Dann ärgert sich natürlich der Herr Wirt zum Auerhahn oder zum Rebstock oder zum goldnen Lamm, daß er nicht mehr gefordert hat, trägt aber diesen Ärger dem Fremden nach und nimmt sich vor, das nächste Jahr seinen Gästen nicht wieder so einfältig vorzukommen.  
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 +Das meiste offne Vergnügen an allem fremden Wesen und die ehrlichste, oft freilich etwas komisch herauskommende Bemühung, sich ihm anzupassen, findet man auf Reisen bei dem Sachsen. Wie mag das kommen? Am Ende ist es wohl derselbe Zug, der die Sachsen auch zu so höflichen Leuten macht Ausnahmen bestätigen die Regel. Dagegen sind die Sachsen, wenigstens nach unsern vielleicht unzulänglichen Beobachtungen, auch die, die am leichtesten etwas kleinlich werden und ihren ganzen Reiseplan, die Wahl ihres Seebades u. s. w. möglichst nach der Billigkeit und dem, was fürs Geld geboten wird, einrichten.  
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 +Doch nun zu der Erklärung, weshalb gerade der Berliner so besonders ungenießbar als Reisender ist. Daran ist, wir deuteten es schon an, zwar auch sein Gefühl der Überlegenheit im allgemeinen schuld, dann aber als objektive Ursache doch auch seine besondre Lage. Berlin ist eine große Stadt geworden; anderthalb Millionen Menschen leben dort mit gleicher Ausdrucksweise und trok aller sozialen Unterschiede, trok aller Verschiedenheit des Anteils und des ihnen zugänglichen Raffinements doch im ganzen mit den gleichen materiellen Begriffen und Neigungen. Dazu kommt, daß nicht bloß der geborne Berliner Begriffe wie „Eisbein" oder „ein Echtes" mit der absolut gewährleisteten Sicherheit, verstanden zu werden, gebraucht, er hört auch fortwährend, daß die zahllosen Ostpreußen, Mecklenburger u. s. w. und kaum minder auch die West- und Süddeutschen in Berlin diese Ausdrücke ohne weiteres mitgebrauchen, er hört von ihnen selten einmal ein andres Wort. Ferner bringt es die Eigentümlichkeit des Berliner Gassenpublikums und Schusterbubentums mit sich, daß man auch in „Kreisen," denen feinere kulinarische Genüsse verschlossen bleiben, diese Genüsse doch vom Hörensagen recht genau kennt und die aristokratischen oder bourgeoismäßigen Bezeichnungen dafür gern parodistisch verwendet. Durch alles das muß sich dem Berliner die Meinung einprägen, 
  
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-daß seine Terminologie und sein Geschmack im Essen, Trinken und in der äußern Lebensweise das absolut richtige und sie nicht ohne weiteres zu verstehen und sich ihnen anzupassen ein Zeichen von Schwerfälligkeit und zurückgebliebner Bildung sei. Und so hält er sich für vollkommen berechtigt, sich über abweichendes nur lustig zu machen. Das übt er denn auch fleißig überall in Deutschland; im Auslande ist er daran ja etwas gehindert, aber für Italien hat das Berlinertum diese heillose Manier auch schon anzuwenden begonnen. Wir haben hier immer nur das Reisen in Deutschland und Italien, daneben in Tirol und in der Schweiz im Auge, aus dem einfachen Grunde, weil wir von dem reisenden deutschen Durchschnittspublikum reden, das sich hauptsächlich über diese vier Länder ergießt. Bald wird freilich der skandinavische Norden vor Italien zu nennen sein, und die Nordlandfahrten sind eine Mode, die jeder Vernünftige aufs nachdrücklichste unterstützen sollte. Nicht bloß um Italien zu bewahren (wenn es auch dortigen Gastwirten schweizerischer oder deutscher Abkunst etwas Schaden bringt), sondern auch des reisenden Publikums wegen, denn dieses hat von den Fjorden Norwegens und andern drastischen und leichtverständlichen Schönheiten des Nordens unbedingt einen frohern Genuß, als von dem Anblick der Campagna und der sixtinischen Kapelle. Wenigstens so lange, als es für Italien so wenig reis ist wie jekt. Ohne eine stärkere Ablenkung des großen Reisestroms nach dem Norden und vielleicht bald auch nach England und Schottland werden wir sicherlich in Italien über kurz oder lang dieselbe leidige Anpassung an das Berlinertum beginnen sehen, wie sie jekt München mit seinen neuen prunkvollen „Restaurants," seinen vernorddeutschten Speisekarten und der immer fühlbarer werdenden Preissteigerung vornimmt, und wie sie z. B. die deutschen Seebäder u. a. sogar durch die Einführung der Berliner „Weißen" und ähnlicher Spezialitäten schon seit einer Reihe von Jahren vorgenommen haben. Überdies scheint ja an den Norwegern, wenigstens nach Ausweis ihrer Litteratur, nicht allzuviel zu verderben zu sein. Was könnte nun aber geschehen, damit etwas vernünftiger und wieder mit etwas mehr Erfolg für den Reisenden selber gereist würde? In einer der alten methodischen Anleitungen zum Reisen, dem bei Weygand in Leipzig 1784 erschienenen „Handbuch für Reisende aus allen Ständen," steht auf S. 4 der Satz: „Nach meiner Meinung hat man nicht eher ein Recht, die Ausländer aufzusuchen und ihnen Rechenschaft von ihren Denkmälern und Einsichten abzufordern, bis man ihnen selbst klare Begriffe von den Künstlern seiner eignen Nation, von den Vorzügen seines Vaterlandes, von seinen Sitten und den Grundsätzen seiner Staatsverwaltung in Tausch bieten kann." Es ließe sich da noch manches hinzusehen, aber eben das, wovor in dem Handbuche gewarnt wird, daß man etwa zu früh und zu unvorbereitet in die Weite schweist, hat die Übelstände hervorgebracht, und die schönen Eisenbahnen haben seitdem die +daß seine Terminologie und sein Geschmack im Essen, Trinken und in der äußern Lebensweise das absolut richtige und sie nicht ohne weiteres zu verstehen und sich ihnen anzupassen ein Zeichen von Schwerfälligkeit und zurückgebliebner Bildung sei. Und so hält er sich für vollkommen berechtigt, sich über abweichendes nur lustig zu machen. Das übt er denn auch fleißig überall in Deutschland; im Auslande ist er daran ja etwas gehindert, aber für Italien hat das Berlinertum diese heillose Manier auch schon anzuwenden begonnen.  
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 +Wir haben hier immer nur das Reisen in Deutschland und Italien, daneben in Tirol und in der Schweiz im Auge, aus dem einfachen Grunde, weil wir von dem reisenden deutschen Durchschnittspublikum reden, das sich hauptsächlich über diese vier Länder ergießt. Bald wird freilich der skandinavische Norden vor Italien zu nennen sein, und die Nordlandfahrten sind eine Mode, die jeder Vernünftige aufs nachdrücklichste unterstützen sollte. Nicht bloß um Italien zu bewahren (wenn es auch dortigen Gastwirten schweizerischer oder deutscher Abkunst etwas Schaden bringt), sondern auch des reisenden Publikums wegen, denn dieses hat von den Fjorden Norwegens und andern drastischen und leichtverständlichen Schönheiten des Nordens unbedingt einen frohern Genuß, als von dem Anblick der Campagna und der sixtinischen Kapelle. Wenigstens so lange, als es für Italien so wenig reis ist wie jekt. Ohne eine stärkere Ablenkung des großen Reisestroms nach dem Norden und vielleicht bald auch nach England und Schottland werden wir sicherlich in Italien über kurz oder lang dieselbe leidige Anpassung an das Berlinertum beginnen sehen, wie sie jekt München mit seinen neuen prunkvollen „Restaurants," seinen vernorddeutschten Speisekarten und der immer fühlbarer werdenden Preissteigerung vornimmt, und wie sie z. B. die deutschen Seebäder u. a. sogar durch die Einführung der Berliner „Weißen" und ähnlicher Spezialitäten schon seit einer Reihe von Jahren vorgenommen haben. Überdies scheint ja an den Norwegern, wenigstens nach Ausweis ihrer Litteratur, nicht allzuviel zu verderben zu sein.  
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 +Was könnte nun aber geschehen, damit etwas vernünftiger und wieder mit etwas mehr Erfolg für den Reisenden selber gereist würde? In einer der alten methodischen Anleitungen zum Reisen, dem bei Weygand in Leipzig 1784 erschienenen „Handbuch für Reisende aus allen Ständen," steht auf S. 4 der Satz: „Nach meiner Meinung hat man nicht eher ein Recht, die Ausländer aufzusuchen und ihnen Rechenschaft von ihren Denkmälern und Einsichten abzufordern, bis man ihnen selbst klare Begriffe von den Künstlern seiner eignen Nation, von den Vorzügen seines Vaterlandes, von seinen Sitten und den Grundsätzen seiner Staatsverwaltung in Tausch bieten kann." Es ließe sich da noch manches hinzusehen, aber eben das, wovor in dem Handbuche gewarnt wird, daß man etwa zu früh und zu unvorbereitet in die Weite schweist, hat die Übelstände hervorgebracht, und die schönen Eisenbahnen haben seitdem die 
  
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-und schließlich die Lüneburger Heide folgen lassen? Erst Rom und Venedig, dann Augsburg und Bamberg und schließlich die alten märkischen Städtchen? Nein, so gehts gewiß nicht, so wenig wie es geht, den Babies Gänseleberpastete und Mixed Pickles zu geben und dann allmählich zur Zwiebackſuppe herabzusteigen. Versuchen wir also einmal den umgekehrten Weg. Eines freilich ist zuzugeben: ganz bei der Stange zu bleiben ist kaum möglich, dafür sorgen schon die Bade- und Vergnügungsreisen der Eltern, bei denen die Kinder mitgenommen werden müssen. Aber bei den selbständigen Ausflügen, Touren und Reisen der Knaben und jungen Leute ließe sich doch wohl eine Stufenfolge festhalten. Man fange damit an, daß man die Jungen etwa zum Käfer- und Schmetterlingsammeln hinausschickt in die Wälder, Wiesen und Felder der nächsten Umgebung der Heimatstadt. Die armen Tiere können einem ja leid thun, aber besser ist diese Art von Sammeln doch immer noch, als die Briefmarkensammelei, die rasch zum Schacher und zu allen Arten des Kleinbetrugs führt. Nur eins dulde man nicht: Vogeleier zu sammeln. Der Verfasser dieses Aufsatzes hat selbst vor Zeiten eine schöne Ciersammlung besessen, mit manchem im Triumph erkletterten Falken- oder Reiherei, mit nächtlich auf heimlicher Kahnfahrt erkämpftem Schwanenei u. s. w. Aber was gäbe er drum, wenn all diese glorreichen Schülerabenteuer nicht gewesen wären, wenn er das Schreien des Hähers, der bis an die Stadt neben ihm herflog, als er ihm die Hälfte seines Nestes geleert hatte, das Wimmern des Singvögelchens, dem täglich das neu gelegte Ei genommen wurde, nicht mehr hörte! Also sobald es das Wetter erlaubt, täglich hinaus mit den Buben in die Natur, und wäre es selbst auf Kosten gewisser Schularbeiten, z. B. der aufgegebnen lateinischen Phrasen; die mögen am andern Morgen in den Zwischenstunden gelernt oder in Gottes Namen abgelesen werden so ein bischen Kriegslist gegen Lehrplan und Philologenpedanterie verdirbt noch lange nicht den Charakter! Nichts übt so das Auge und die Beobachtungskunst, als das Insektensammeln; noch heute sehe ich jeden Eichenspinner an der Eiche, jeden Weidenbohrer an der Weide, wo tausende vorüberlaufen, habe noch immer meine Freude an jedem Quadratfuß Wald- und Wiesenboden mit allem, was darauf keimt und wächst und kreucht und fleucht, und bin außerdem der Meinung, daß, wenn ich auf Spaziergängen hundert kleine Freuden habe, wenn ich an Menschen, Gesichtern, Kleidern, Manieren fortwährend stillvergnügt Beobachtungen mache, wenn ich schöne Bilder ganz anders anzusehen glaube als viele andre, auch das im lekten Grunde aus jener eifrigen Sammelzeit herrühre. Ob bloße Botanik ebenso lehrreich sei, wage ich nicht zu ent= scheiden; jedenfalls tummelt man sich bei der Insektenjagd freier umher und gewinnt dabei ganz von selber auch ein Verhältnis zur Pflanzenwelt. Dann aber in den Ferien hinaus auf weitere Ausflüge! In die Mark (wobei Fon +und schließlich die Lüneburger Heide folgen lassen? Erst Rom und Venedig, dann Augsburg und Bamberg und schließlich die alten märkischen Städtchen? Nein, so gehts gewiß nicht, so wenig wie es geht, den Babies Gänseleberpastete und Mixed Pickles zu geben und dann allmählich zur Zwiebacksuppe herabzusteigen.  
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 +Versuchen wir also einmal den umgekehrten Weg. Eines freilich ist zuzugeben: ganz bei der Stange zu bleiben ist kaum möglich, dafür sorgen schon die Bade- und Vergnügungsreisen der Eltern, bei denen die Kinder mitgenommen werden müssen. Aber bei den selbständigen Ausflügen, Touren und Reisen der Knaben und jungen Leute ließe sich doch wohl eine Stufenfolge festhalten. Man fange damit an, daß man die Jungen etwa zum Käfer- und Schmetterlingsammeln hinausschickt in die Wälder, Wiesen und Felder der nächsten Umgebung der Heimatstadt. Die armen Tiere können einem ja leid thun, aber besser ist diese Art von Sammeln doch immer noch, als die Briefmarkensammelei, die rasch zum Schacher und zu allen Arten des Kleinbetrugs führt. Nur eins dulde man nicht: Vogeleier zu sammeln. Der Verfasser dieses Aufsatzes hat selbst vor Zeiten eine schöne Ciersammlung besessen, mit manchem im Triumph erkletterten Falken- oder Reiherei, mit nächtlich auf heimlicher Kahnfahrt erkämpftem Schwanenei u. s. w. Aber was gäbe er drum, wenn all diese glorreichen Schülerabenteuer nicht gewesen wären, wenn er das Schreien des Hähers, der bis an die Stadt neben ihm herflog, als er ihm die Hälfte seines Nestes geleert hatte, das Wimmern des Singvögelchens, dem täglich das neu gelegte Ei genommen wurde, nicht mehr hörte! Also sobald es das Wetter erlaubt, täglich hinaus mit den Buben in die Natur, und wäre es selbst auf Kosten gewisser Schularbeiten, z. B. der aufgegebnen lateinischen Phrasen; die mögen am andern Morgen in den Zwischenstunden gelernt oder in Gottes Namen abgelesen werden so ein bischen Kriegslist gegen Lehrplan und Philologenpedanterie verdirbt noch lange nicht den Charakter! Nichts übt so das Auge und die Beobachtungskunst, als das Insektensammeln; noch heute sehe ich jeden Eichenspinner an der Eiche, jeden Weidenbohrer an der Weide, wo tausende vorüberlaufen, habe noch immer meine Freude an jedem Quadratfuß Wald- und Wiesenboden mit allem, was darauf keimt und wächst und kreucht und fleucht, und bin außerdem der Meinung, daß, wenn ich auf Spaziergängen hundert kleine Freuden habe, wenn ich an Menschen, Gesichtern, Kleidern, Manieren fortwährend stillvergnügt Beobachtungen mache, wenn ich schöne Bilder ganz anders anzusehen glaube als viele andre, auch das im lekten Grunde aus jener eifrigen Sammelzeit herrühre. Ob bloße Botanik ebenso lehrreich sei, wage ich nicht zu ent= scheiden; jedenfalls tummelt man sich bei der Insektenjagd freier umher und gewinnt dabei ganz von selber auch ein Verhältnis zur Pflanzenwelt. Dann aber in den Ferien hinaus auf weitere Ausflüge! In die Mark (wobei Fon 
  
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-verhüllt, die sich aber unter der sinkenden Sonne in sattem Blau entschleiern. Kurz, immer die Weite, nicht die Enge des Gebirgs ist es, was dauernd erfreut. Die Freude an der Rheinebne und ihrer Schönheit haben wir in Baden und an der hessischen Bergstraße bei Eingebornen nirgends äußern, auch kaum zugeben hören und niemals Verständnis für die Sehnsucht gefunden, die über das weite Land dahin der scheidenden Sonne nach nach Westen zieht. Der Strom und die Ufer des Oberrheins von Basel bis Mainz ſind terra incognita und werden geradezu als öde bezeichnet, vielleicht vermag nur der Niederdeutsche, der auch hier an die Poesie der geheimnisvollen Waldbäche und libellenumschwirrten Wiesenflußuser seiner Heimat zurückdenkt, ihnen eine gewisse Stimmung zu entlocken. So erwecken sie denn auch kein besondres Interesse für die Ebene zwischen Schwarzwald und Vogesen, Odenwald und Haardt. Überhaupt sind die scheinbar reicher von der Natur bedachten Gegenden in manchem, was zu dem schönsten gehört, gar arm: die schwirrende Menge der Schmetterlinge über Wiese und Kleefeld und am Waldesrand, das possirliche Durcheinander von tausenderlei Wassergetier in Seen und Bächen, die Mannichfaltigkeit der Vogelstimmen in Wald und Busch sind viel mehr Niederdeutschland als den Gegenden der deutschen Mittelgebirge und Hochebnen eigen. Drum nochmals: zuerst in die Ebne mit den Jungen! Laßt sie sich das schöne nur suchen, sie finden es schon in jenen eigentümlichen drangerfüllten Jahren. Und viel herrlicher noch schwebt ihnen dann das noch Unbekannte vor: Gebirge, Burgen, historische Städte. Laßt sie sich immer das eindrucksvollere aufheben, laßt sie nicht springen und fliegen, sondern schreiten. Den ersten Touren in der Heimat mögen dann, je nach der Erreichbarkeit, Ausflüge folgen nach Rügen, nach den westfälischen Waldgebirgen, an den Rhein, in den Harz und den Thüringerwald, in die sächsische oder die fränkische Schweiz, in die rauhe Alp und an den Bodensee, in den Schwarzwald und in die Vogesen; den Odenwald, die Pfälzer Haardt, die Rhön und die Eifel nicht zu vergessen. Schön ists überall, das Sehenkönnen, das Stimmungfinden, das Gegendverstehen soll es ja thun, das ist es, was wir erwecken und bewahren helfen möchten. Daneben her mögen dann die Städte gehen. Die von historischer Berühmtheit brauchen wir nicht erst anzupreisen: wir denken da an Augsburg, Würzburg, Bamberg, Rothenburg, Nürnberg und Regensburg, an Prag, in den rheinischen Landen an Straßburg, Speier und Worms, Aachen und Köln, an Limburg und Marburg, an Goslar, Braunschweig und Hildesheim, oder Lübeck, Rostock, Stralsund und wer dahin kommt Danzig. Dagegen auf ein paar wahre Perlen alten Städtetums möchten wir doch nachdrücklich aufmerksam machen, wir meinen die Städtchen am östlichen Vogesenfuße, insbesondre Rappoltsweiler, Kaysersberg, Reichenweier, dann die am württembergischen Neckar von Besigheim bis Rottweil hinauf, ferner Überlingen, ferner fast all die alten kleinen Städte in den althairischen und den bairisch +verhüllt, die sich aber unter der sinkenden Sonne in sattem Blau entschleiern. Kurz, immer die Weite, nicht die Enge des Gebirgs ist es, was dauernd erfreut. Die Freude an der Rheinebne und ihrer Schönheit haben wir in Baden und an der hessischen Bergstraße bei Eingebornen nirgends äußern, auch kaum zugeben hören und niemals Verständnis für die Sehnsucht gefunden, die über das weite Land dahin der scheidenden Sonne nach nach Westen zieht. Der Strom und die Ufer des Oberrheins von Basel bis Mainz ſind terra incognita und werden geradezu als öde bezeichnet, vielleicht vermag nur der Niederdeutsche, der auch hier an die Poesie der geheimnisvollen Waldbäche und libellenumschwirrten Wiesenflußuser seiner Heimat zurückdenkt, ihnen eine gewisse Stimmung zu entlocken. So erwecken sie denn auch kein besondres Interesse für die Ebene zwischen Schwarzwald und Vogesen, Odenwald und Haardt. Überhaupt sind die scheinbar reicher von der Natur bedachten Gegenden in manchem, was zu dem schönsten gehört, gar arm: die schwirrende Menge der Schmetterlinge über Wiese und Kleefeld und am Waldesrand, das possirliche Durcheinander von tausenderlei Wassergetier in Seen und Bächen, die Mannichfaltigkeit der Vogelstimmen in Wald und Busch sind viel mehr Niederdeutschland als den Gegenden der deutschen Mittelgebirge und Hochebnen eigen.  
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 +Drum nochmals: zuerst in die Ebne mit den Jungen! Laßt sie sich das schöne nur suchen, sie finden es schon in jenen eigentümlichen drangerfüllten Jahren. Und viel herrlicher noch schwebt ihnen dann das noch Unbekannte vor: Gebirge, Burgen, historische Städte. Laßt sie sich immer das eindrucksvollere aufheben, laßt sie nicht springen und fliegen, sondern schreiten. Den ersten Touren in der Heimat mögen dann, je nach der Erreichbarkeit, Ausflüge folgen nach Rügen, nach den westfälischen Waldgebirgen, an den Rhein, in den Harz und den Thüringerwald, in die sächsische oder die fränkische Schweiz, in die rauhe Alp und an den Bodensee, in den Schwarzwald und in die Vogesen; den Odenwald, die Pfälzer Haardt, die Rhön und die Eifel nicht zu vergessen. Schön ists überall, das Sehenkönnen, das Stimmungfinden, das Gegendverstehen soll es ja thun, das ist es, was wir erwecken und bewahren helfen möchten. Daneben her mögen dann die Städte gehen. Die von historischer Berühmtheit brauchen wir nicht erst anzupreisen: wir denken da an Augsburg, Würzburg, Bamberg, Rothenburg, Nürnberg und Regensburg, an Prag, in den rheinischen Landen an Straßburg, Speier und Worms, Aachen und Köln, an Limburg und Marburg, an Goslar, Braunschweig und Hildesheim, oder Lübeck, Rostock, Stralsund und wer dahin kommt Danzig. Dagegen auf ein paar wahre Perlen alten Städtetums möchten wir doch nachdrücklich aufmerksam machen, wir meinen die Städtchen am östlichen Vogesenfuße, insbesondre Rappoltsweiler, Kaysersberg, Reichenweier, dann die am württembergischen Neckar von Besigheim bis Rottweil hinauf, ferner Überlingen, ferner fast all die alten kleinen Städte in den althairischen und den bairisch 
  
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-gewordnen ehemaligen Stiftslanden, namentlich die in den Gegenden der fränkischen Saale, ferner das thüringische Saalfeld, und vor allen Soest, die einst so mächtige Stadt, die jekt viel zu klein in ihrer alten Umwallung und Befestigung liegt, sodaß diese jezt auch Wiesen und große Gärten mit umschließt. Dann noch eine Gruppe, die aber erst später daran kommen sollte, die Städte der romanischen Schweiz von Freiburg und Yverdon bis an den Genfer See hinab, bis zu dem ragenden, prächtigen Lausanne. Dann erst, wenn der junge Mann sein Deutschland kennt und die verschiedne Art und Sprache der Bewohner in Nord und Süd, dann gebe man ihm, dem für das Neue und seine logische Verwertung nun reif gewordnen, die Schweiz frei, wo er dann auch, wenn es angeht, den Jura nicht vernachlässigen möge, mit seiner eigentümlichen Flora, mit seinem wunderbaren Münsterthal (Val de Moutier) und dem Blick vom Weißenstein über das uralte Solothurn hinweg auf Ebne, Flüsse, Seen und Alpen, lasse ihn die verschiednen Eidgenossen kennen lernen, die halb verwelschten Mäglins und Fräßlis zu Basel, die stattlichen Berner, die respektabeln Bürger in der altberühmten Stadt Zwinglis, Lavaters, Gottfried Kellers und C. F. Meyers, und die Nachfahren des berühmtesten aller deutschen Klöster, St. Gallens; lasse ihn die Spitzen der Hochalpen erklimmen und die Augen weiden an den erhabnen Fernſichten, deren Großartigkeit ihn nun nicht mehr verwirren und für stillere Schönheit unempfänglich machen, sondern wirklich und ohne Schaden reicher machen wird. Oder statt der Schweiz Tirol und das Salzburgerland. Dann erst lasse man ihn in das volle anderssprachige Ausland, nach Genf und Savoyen, nach Paris ziehen, das dem durchgebildeten und den nötigen Halt besitzenden jungen Manne so viel herrliches bietet, wo ihn draußen an der Seine oder auf den Höhen zwischen St. Cloud und Versailles auch die Erinnerung an deutsche Landschaft anheimeln wird, und endlich lasse man ihn in das Wunderland Italien und in das Land der Troubadoure, in die Thäler der Provence pilgern. Denn wer in Deutschland auf mannichfacher Wanderfahrt gelernt hat, sich in andrer Leute und Länder Art zu schicken, statt ungeschickt und unbildsam aufzufallen und anzustoßen, der wird auch heute noch unbehelligt durch die Provinzen Frankreichs wandern, obwohl diese ja den Deutschen weit weniger gewohnt sind, als Paris selber, und die Leute dort etwas mißtrauischer sind. Und ebenso wird er nun auch in Italien nicht mehr mit der einzigen rohen Unterscheidung von deutsch und italienisch dastehen, nicht mehr zwischen Verwundern und Nörgeln hin- und herschwanken, sondern die Leute richtig nehmen, alte, neuere und moderne Sehenswürdigkeiten klassifiziren und in ihrem Wert abschäßen, auch von der italienischen Natur nicht enttäuscht sein, sondern das charakteristische herausfinden und verstehen und die italienische Berglandschaft nach dem deutschen Waldgebirge in ihrer feinern Plastik und Farbenstimmung zu würdigen wissen +gewordnen ehemaligen Stiftslanden, namentlich die in den Gegenden der fränkischen Saale, ferner das thüringische Saalfeld, und vor allen Soest, die einst so mächtige Stadt, die jekt viel zu klein in ihrer alten Umwallung und Befestigung liegt, sodaß diese jezt auch Wiesen und große Gärten mit umschließt. Dann noch eine Gruppe, die aber erst später daran kommen sollte, die Städte der romanischen Schweiz von Freiburg und Yverdon bis an den Genfer See hinab, bis zu dem ragenden, prächtigen Lausanne.  
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 +Dann erst, wenn der junge Mann sein Deutschland kennt und die verschiedne Art und Sprache der Bewohner in Nord und Süd, dann gebe man ihm, dem für das Neue und seine logische Verwertung nun reif gewordnen, die Schweiz frei, wo er dann auch, wenn es angeht, den Jura nicht vernachlässigen möge, mit seiner eigentümlichen Flora, mit seinem wunderbaren Münsterthal (Val de Moutier) und dem Blick vom Weißenstein über das uralte Solothurn hinweg auf Ebne, Flüsse, Seen und Alpen, lasse ihn die verschiednen Eidgenossen kennen lernen, die halb verwelschten Mäglins und Fräßlis zu Basel, die stattlichen Berner, die respektabeln Bürger in der altberühmten Stadt Zwinglis, Lavaters, Gottfried Kellers und C. F. Meyers, und die Nachfahren des berühmtesten aller deutschen Klöster, St. Gallens; lasse ihn die Spitzen der Hochalpen erklimmen und die Augen weiden an den erhabnen Fernſichten, deren Großartigkeit ihn nun nicht mehr verwirren und für stillere Schönheit unempfänglich machen, sondern wirklich und ohne Schaden reicher machen wird. Oder statt der Schweiz Tirol und das Salzburgerland. Dann erst lasse man ihn in das volle anderssprachige Ausland, nach Genf und Savoyen, nach Paris ziehen, das dem durchgebildeten und den nötigen Halt besitzenden jungen Manne so viel herrliches bietet, wo ihn draußen an der Seine oder auf den Höhen zwischen St. Cloud und Versailles auch die Erinnerung an deutsche Landschaft anheimeln wird, und endlich lasse man ihn in das Wunderland Italien und in das Land der Troubadoure, in die Thäler der Provence pilgern. Denn wer in Deutschland auf mannichfacher Wanderfahrt gelernt hat, sich in andrer Leute und Länder Art zu schicken, statt ungeschickt und unbildsam aufzufallen und anzustoßen, der wird auch heute noch unbehelligt durch die Provinzen Frankreichs wandern, obwohl diese ja den Deutschen weit weniger gewohnt sind, als Paris selber, und die Leute dort etwas mißtrauischer sind. Und ebenso wird er nun auch in Italien nicht mehr mit der einzigen rohen Unterscheidung von deutsch und italienisch dastehen, nicht mehr zwischen Verwundern und Nörgeln hin- und herschwanken, sondern die Leute richtig nehmen, alte, neuere und moderne Sehenswürdigkeiten klassifiziren und in ihrem Wert abschäßen, auch von der italienischen Natur nicht enttäuscht sein, sondern das charakteristische herausfinden und verstehen und die italienische Berglandschaft nach dem deutschen Waldgebirge in ihrer feinern Plastik und Farbenstimmung zu würdigen wissen 
  
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-sich auf in kleine tüchtige Galerien nach Art der Schweriner oder der Karlsruher, dann nach Braunschweig, nach Kassel, dann in die von Berlin und Dresden, in die alte Pinakothek und den Louvre, und nun erst mögen Mailand, Florenz, Rom, Neapel, Venedig folgen und die kleinern Sammlungen Italiens, wo der Besucher nun förmlich schwelgen wird in den Freuden des Entdeckers, nun in die Kirchen, und schließlich in Deutschland noch einmal überall hin, jekt zu den Meistern, und vor allem auf die große Wallfahrt nach Kolmar und Köln. Bei unsern Studenten, die von einer süddeutschen Universität im Angust nach dem Norden heimkehren, ist jekt eine ganze Badetour Mode geworden, etwa: Wiesbaden, Homburg, Ems u. s. w. Das finden wir recht überflüssig. Nebenbei einmal in eins davon hineinsehen, das genügt doch vollständig. Und da raten wir, wenns sich gerade bequem macht, immer noch am meisten zu Baden-Baden; dort hat man alles beisammen, schöne Anlagen, Eleganz, Luxus, internationales Treiben, und doch nicht bloß die Öde davon, sondern zugleich die herrlichste Natur, den prächtigen Blick vom alten Schloß und der ragenden Burg Alteberstein, wilde Felspartien und träumenden Tannenforst, und in der lieblichen Gartenstadt selbst, wo es immer noch möglich ist, sich behaglich und billig einzurichten, an warmen, blütenduftenden Frühlingsund Sommerabenden die wunderbare festliche Ruhestimmung, die durch Hölderlins „Nacht" klingt: Aber das Saitenspiel tönt fern ans Gärten; vielleicht daß Dort ein Liebender spielt, oder ein einsamer Mann Ferner Freunde gedenkt und der Jugendzeit; und die Brunnen, Immerquillend und frisch, rauschen am duftenden Beet, Still in dämnuriger Luft ertönen geläutete Glocken, Und der Stunden gedenk, rufet ein Wächter die Zahl. Jezt auch kommet ein Wehn und regt die Gipfel des Hains auf. Sieh! und das Ebenbild unserer Erde, der Mond, Kommet geheim nun auch, die Schwärmerische, die Nacht, kommt; Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen, Über Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf. Aber die schönste Jahreszeit ist es doch, wann der Frühling auf die Berge steigt! Höchstens Heidelberg und der Rheingau kommen diesem Frühling Baden- Badens gleich. Überhaupt, wie viel schöner ist es, das Erwachen der Natur von dem ersten Schwellen der Blattknospen und von dem ersten taumelnden Citronenfalter an Tag für Tag mitzuleben, als, wie es jekt Mode ist, im März und April nach Italien zu gehen. Schön ist es dort ja auch, aber doch kein rechter Frühling. Frühling am Rhein, August an der See, September im Gebirge, Oktober in Italien, das wäre unser Programm. Aber wer kanns? Der Leser meint ohnedies am Ende, wir müßten ein rechtes Tagediebleben geführt haben, wenn +sich auf in kleine tüchtige Galerien nach Art der Schweriner oder der Karlsruher, dann nach Braunschweig, nach Kassel, dann in die von Berlin und Dresden, in die alte Pinakothek und den Louvre, und nun erst mögen Mailand, Florenz, Rom, Neapel, Venedig folgen und die kleinern Sammlungen Italiens, wo der Besucher nun förmlich schwelgen wird in den Freuden des Entdeckers, nun in die Kirchen, und schließlich in Deutschland noch einmal überall hin, jekt zu den Meistern, und vor allem auf die große Wallfahrt nach Kolmar und Köln.  
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 +Bei unsern Studenten, die von einer süddeutschen Universität im Angust nach dem Norden heimkehren, ist jekt eine ganze Badetour Mode geworden, etwa: Wiesbaden, Homburg, Ems u. s. w. Das finden wir recht überflüssig. Nebenbei einmal in eins davon hineinsehen, das genügt doch vollständig. Und da raten wir, wenns sich gerade bequem macht, immer noch am meisten zu Baden-Baden; dort hat man alles beisammen, schöne Anlagen, Eleganz, Luxus, internationales Treiben, und doch nicht bloß die Öde davon, sondern zugleich die herrlichste Natur, den prächtigen Blick vom alten Schloß und der ragenden Burg Alteberstein, wilde Felspartien und träumenden Tannenforst, und in der lieblichen Gartenstadt selbst, wo es immer noch möglich ist, sich behaglich und billig einzurichten, an warmen, blütenduftenden Frühlingsund Sommerabenden die wunderbare festliche Ruhestimmung, die durch Hölderlins „Nacht" klingt:  
 +  Aber das Saitenspiel tönt fern ans Gärten; vielleicht daß  
 +  Dort ein Liebender spielt, oder ein einsamer Mann  
 +  Ferner Freunde gedenkt und der Jugendzeit; und die Brunnen,  
 +  Immerquillend und frisch, rauschen am duftenden Beet,  
 +  Still in dämmriger Luft ertönen geläutete Glocken,  
 +  Und der Stunden gedenk, rufet ein Wächter die Zahl.  
 +  Jezt auch kommet ein Wehn und regt die Gipfel des Hains auf.  
 +  Sieh! und das Ebenbild unserer Erde, der Mond,  
 +  Kommet geheim nun auch, die Schwärmerische, die Nacht, kommt;  
 +  Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns  
 +  Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen,  
 +  Über Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf.  
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 +Aber die schönste Jahreszeit ist es doch, wann der Frühling auf die Berge steigt! Höchstens Heidelberg und der Rheingau kommen diesem Frühling Baden- Badens gleich. Überhaupt, wie viel schöner ist es, das Erwachen der Natur von dem ersten Schwellen der Blattknospen und von dem ersten taumelnden Citronenfalter an Tag für Tag mitzuleben, als, wie es jekt Mode ist, im März und April nach Italien zu gehen. Schön ist es dort ja auch, aber doch kein rechter Frühling.  
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 +Frühling am Rhein, August an der See, September im Gebirge, Oktober in Italien, das wäre unser Programm. Aber wer kanns? Der Leser meint ohnedies am Ende, wir müßten ein rechtes Tagediebleben geführt haben, wenn 
  
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-wir so viel Zeit für ein „intensives" Kennenlernen Deutschlands gehabt haben, daß wir uns getrauen, zwischen der Westgrenze und dem mitteleuropäischen Zeitmeridian irgendwo vom Himmel zu fallen und sofort zu wissen, wo wir uns befinden. Vielleicht dürfen wir dem Leser gelegentlich einmal etwas von der Technik und Ökonomie unsrer bescheidnen und doch so herrlichen Wanderfahrten erzählen. Stangensche Packetreisen und Gesellschaftsfahrten mit der Augusta Viktoria oder Kapitän Bade sind freilich nicht dabei .+wir so viel Zeit für ein „intensives" Kennenlernen Deutschlands gehabt haben, daß wir uns getrauen, zwischen der Westgrenze und dem mitteleuropäischen Zeitmeridian irgendwo vom Himmel zu fallen und sofort zu wissen, wo wir uns befinden.  
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 +Vielleicht dürfen wir dem Leser gelegentlich einmal etwas von der Technik und Ökonomie unsrer bescheidnen und doch so herrlichen Wanderfahrten erzählen. Stangensche Packetreisen und Gesellschaftsfahrten mit der //Augusta Viktoria// oder //Kapitän Bade// sind freilich nicht dabei .
wiki/1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen.1768229876.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke