wiki:1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen
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| wiki:1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen [2026/01/12 15:00] – [522] Norbert Lüdtke | wiki:1893_essay_grunow_allerlei_vom_reisen [2026/01/12 15:25] (aktuell) – [461] Norbert Lüdtke | ||
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| Eifer fallen sie da ein, bis das ganze Elend des angeblichen „Amüsements" | Eifer fallen sie da ein, bis das ganze Elend des angeblichen „Amüsements" | ||
| - | Aber man sieht doch auf Reisen so viel schönes, großes, bedeutendes, | + | Aber man sieht doch auf Reisen so viel schönes, großes, bedeutendes, |
| - | Wir können unsre Behauptung, daß es beim Reisen nicht mehr auf die Erweiterung des Gesichtskreises ankomme, auch durch eine Art gelehrter Empirie begründen. Der Leser begleite uns einmal in die Räume einer größern Bibliothek. Da stehen seit dem sechzehnten Jahrhundert alle die mehr oder minder handlichen, gar nicht schlechten Anleitungen, | + | Wir können unsre Behauptung, daß es beim Reisen nicht mehr auf die Erweiterung des Gesichtskreises ankomme, auch durch eine Art gelehrter Empirie begründen. Der Leser begleite uns einmal in die Räume einer größern Bibliothek. Da stehen seit dem sechzehnten Jahrhundert alle die mehr oder minder handlichen, gar nicht schlechten Anleitungen, |
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| - | reisende; auch Burckhardts Cicerone nicht, der ein Spezialwerk ist, nur zum Genuß in den Museen verhelfen will und erschreckend wenig dazu benutzt wird. Man will eben gar nicht; tausende und abertausende kaufen zwar den Bädeker, aber benuhen nur die praktischen Führerangaben darin; wer die doch so vortrefflich klaren und knappen kunstgeschichtlichen Einleitungen von Anton Springer gelesen hat, ist geradezu als ein weißer Rabe zu betrachten. Die meisten haben es allerdings vorgehabt und es auf die Eisenbahnfahrt oder auf öde Stunden im Gasthof verschoben; da sind sie aber schließlich doch nicht dazu gekommen. | + | reisende; auch '' |
| - | Freilich giebt es auch noch Leute, die das Herz voll Sehnsucht und mit glühenden Wangen sich alles in der Stille aneignen, was als tüchtige Vorbereitung auf eine bedeutendere Reise gelten kann. Solche findet man unter Primanern, Studenten, Lehrern und Lehrerinnen, | + | Freilich giebt es auch noch Leute, die das Herz voll [[sehnsucht|Sehnsucht]] und mit glühenden Wangen sich alles in der Stille aneignen, was als tüchtige Vorbereitung auf eine bedeutendere Reise gelten kann. Solche findet man unter Primanern, Studenten, Lehrern und Lehrerinnen, |
| Ich bitte den Leser, den ich keineswegs bloß nach der Regel über die „Anwesenden" | Ich bitte den Leser, den ich keineswegs bloß nach der Regel über die „Anwesenden" | ||
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| - | gewordnen ehemaligen Stiftslanden, | + | gewordnen ehemaligen Stiftslanden, |
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| + | Dann erst, wenn der junge Mann sein Deutschland kennt und die verschiedne Art und Sprache der Bewohner in Nord und Süd, dann gebe man ihm, dem für das Neue und seine logische Verwertung nun reif gewordnen, die Schweiz frei, wo er dann auch, wenn es angeht, den Jura nicht vernachlässigen möge, mit seiner eigentümlichen Flora, mit seinem wunderbaren Münsterthal (Val de Moutier) und dem Blick vom Weißenstein über das uralte Solothurn hinweg auf Ebne, Flüsse, Seen und Alpen, lasse ihn die verschiednen Eidgenossen kennen lernen, die halb verwelschten Mäglins und Fräßlis zu Basel, die stattlichen Berner, die respektabeln Bürger in der altberühmten Stadt Zwinglis, Lavaters, Gottfried Kellers und C. F. Meyers, und die Nachfahren des berühmtesten aller deutschen Klöster, St. Gallens; lasse ihn die Spitzen der Hochalpen erklimmen und die Augen weiden an den erhabnen Fernſichten, | ||
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| - | sich auf in kleine tüchtige Galerien nach Art der Schweriner oder der Karlsruher, dann nach Braunschweig, | + | sich auf in kleine tüchtige Galerien nach Art der Schweriner oder der Karlsruher, dann nach Braunschweig, |
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| + | Bei unsern Studenten, die von einer süddeutschen Universität im Angust nach dem Norden heimkehren, ist jekt eine ganze Badetour Mode geworden, etwa: Wiesbaden, Homburg, Ems u. s. w. Das finden wir recht überflüssig. Nebenbei einmal in eins davon hineinsehen, | ||
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| + | Aber die schönste Jahreszeit ist es doch, wann der Frühling auf die Berge steigt! Höchstens Heidelberg und der Rheingau kommen diesem Frühling Baden- Badens gleich. Überhaupt, wie viel schöner ist es, das Erwachen der Natur von dem ersten Schwellen der Blattknospen und von dem ersten taumelnden Citronenfalter an Tag für Tag mitzuleben, als, wie es jekt Mode ist, im März und April nach Italien zu gehen. Schön ist es dort ja auch, aber doch kein rechter Frühling. | ||
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| + | Frühling am Rhein, August an der See, September im Gebirge, Oktober in Italien, das wäre unser Programm. Aber wer kanns? Der Leser meint ohnedies am Ende, wir müßten ein rechtes Tagediebleben geführt haben, wenn | ||
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| - | wir so viel Zeit für ein „intensives" | + | wir so viel Zeit für ein „intensives" |
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| + | Vielleicht dürfen wir dem Leser gelegentlich einmal etwas von der Technik und Ökonomie unsrer bescheidnen und doch so herrlichen Wanderfahrten erzählen. Stangensche Packetreisen und Gesellschaftsfahrten mit der //Augusta Viktoria// oder //Kapitän Bade// sind freilich nicht dabei . | ||
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