Johann Christoph Adelung
Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart
1793, S. 1063: »… die Lust d. i. sinnliche Verlangen, zu reisen. Reiselust haben. Ingleichen, das Reisen als eine Lust, sinnliches Vergnügen betrachtet.«
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Dass Reiselust von zwei Seiten betrachtet werden kann als Lust zum Reisen und als Lust, die das Reisen gewährt, findet sich bereits im 18. Jahrhundert 1)
Der früheste gedruckte Beleg erscheint 1629 in einem Gedicht von Ludwig Achim Freiherr von Arnim
:
Eine bange Reiselust
Weht in Frühlingstagen
Füllt mit Wehmut unsre Brust
Will zum Himmel tragen 2)
und verweist auf die ambivalente Empfindung von Lust und Wehmut. Den Zusammenhang mit dem Tod zeigt auch ein Vers unter einem Holzschnitt, der den Totenmann neben einem Sarg zeigt 3):
Wo ich geboren bin bei meiner ersten wiegen
Bleib ich stets sorgenlos mein leben über liegen
Veraltend nur daheim was soll ich lauffen aus
Die welt und reiselust find ich in meinem haus
Und auch eine Leichenpredigt von 1635 stellt den Zusammenhang zwischen Reiselust und Tod her:
Thanatōdēs Viator, id est Die rechte WandersBegierde und sterbliche ReiseLust/ erkläret aus Gottes Worte/ nach dem … Reiseliede/ Herr Jesu Christ ich weiß gar wol/ daß ich einmal muß sterben/ etc. Uber den kläglichen Trawerfall eines einher reisenden Jünglings/ Herren Petri De Herttog von Hamburgk/ so da schleunig und unverhofft auff der freyen Landstraassen durch einen tödlichen PistolSchuß am lincken Backen mit einem schmertzlosen Stündlein ubereylet/ und zum Himmelreich aus seinem Beruff gefordert worden/ Abends Galli umb 4. Uhr: abweichendes 1634 4)
Johann Christoph Adelung