Luhmann, NiklasDie Wissenschaft der Gesellschaft.
Frankfurt am Main, 1990, S. 289 über Autonomie und Umwelt »Autopoiesis«.
Dies ist eine alte Version des Dokuments!
Che Guevara beschrieb die Rückkehr in die Heimat als Tod und Wiedergeburt und meinte »Ich bin nicht Ich«. Der Wiedereintritt in die Gemeinschaft ist mit einem Rollenwechsel verbunden. Nach der Heimkehr zeigt sich die Wertschätzung der Gemeinschaft für den Fahrenden durch seine soziale Integration. Seine Autonomie, die er unterwegs bewiesen hat, muss er nun bereit sein aufzugeben 1). Sein Reisebild wird in das herrschende Weltbild assimiliert und dabei verformt. Wie sich das Bild der Reise verändert, zeigt das folgende Schema durch verschiedenen Sichtweisen auf dieselbe Reise, vergleichbar dem Johari-Fenster:
| Reisende | Herkunftsgemeinschaft | |||
|---|---|---|---|---|
| Handlung | Wunschbilder ↓ Die erlebte Reise ↓ Die erinnerte Reise | ← | Die akademische Reise Kategorienbildung: Abenteuer-, Bildungsreise, Grand Tour etc. | Folgen |
| Rollen | Reisende, Kundige, Travelees | Figuren Herausgeber, Kurator, … | ||
| Manifestation: Text-Bild-Artefakt | Itinerar, Brief, Tagebuch, Bilder, Souvenir | Apodemik, kuratierte Ausstellung Tagung, Fachliteratur | Verarbeitung | |
| ↓ | ↑ ↓ | |||
| Handlung | Die erzählte Reise | → | Die Reise des Publikums Imagination und Anschauung | Folgen |
| Rollen | Außenseiter, Exot, Zuhörer | Stereotyp Gatekeeper/Multiplikator | ||
| Manifestation | Erzählung, Diaabend, Sammlung | Reisebericht, Reisesammlung, Vortrag, Ausstellung, Massenmedien, U-Literatur | Verarbeitung |
Die Vermittlung von Welt über Medien findet traditionell über Erzählen und über Literatur statt und erzeugt damit Bilder in der Vorstellung. Die besten Geschichten hört man in einer Runde Weitgereister am Lagerfeuer. Reiseliteratur entsteht, wenn das Erzähltalent ausgeprägt ist und das Bedürfnis, sein Erlebtes auszudrücken stark genug. Reiseliteratur ist erfolgreich, weil viele von einem solchen Unterwegs-Sein träumen, jedoch den Aufbruch nicht wagen. Reisebilder übertrumpfen in ihrer Wirkung den Text um ein Vielfaches.
Das Problem ist, dass Heimgekehrte und Zurückgebliebene sich in mancher Hinsicht nicht mehr verstehen. Der Reisende erzählt und die Zuhörer stülpen ein Stereotyp darüber, gegen das der Erzähler sich vergebens wehrt. Das findet seinen zeittypischen Ausdruck insbesondere in den Genres Reiseliteratur, Road Movie, Road Music.
Das gesellschaftliche Reisebild hat sich insbesondere kristallisiert in
Die Dynamik, die mit der intentionalen Fortbewegung im Raum verbunden ist 2) bewirkt ein Verschieben (translozieren) von
Luhmann, Niklas