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wiki:gehen

Gehen

Der Gang ist eine Form des Unterwegs-seins wie die Fahrt und die Reise und unterscheidet sich als 'zu Fuß unterwegs' von den alltäglichen Formen des Gehens.

`Gehen´ wurzelt im indogermanischen *ğhengh `schreiten, Schritt´ und bedeutete in allen germanischen Sprachen als *ganga die Fortbewegung aus eigener Kraft ohne Hilfsmittel und auf ein Ziel hin im Unterschied etwa zu rollen, schwanken oder taumeln.

'Gehen' ist eines der 21 germanischen Nomina der Fortbewegung 1). Zusammen mit *wega als Ort der Fortbewegung und *senþa als Ziel bzw. Richtung der Fortbewegung ist es urgermanischen Ursprungs mit einem über die Zeiten unveränderten Bedeutungsgehalt. Dagegen bezeichnet `wandern´ ursprünglich ganz sachlich `einen geraden Weg zurücklegen´ mit einer Nebenbedeutung von `verändern´ im Sinne von `wandeln´ und `wenden´ als einem endlosen hin und her, vielleicht an die Erfahrung des Gehens hinter dem Pflug zwischen den Gewänden der Ackerfläche sich anlehnend so wie auch die `Fahrt´ an das Gehen in der Furche angelehnt ist, jedoch früh übertragen wird auf das Unterwegs-sein außerhalb der Gemeinschaft durch die Wildnis.

`Gehen´ dient hier als Kategorie für zahlreiche Umschreibungen (Periphrasen) der Fortbewegung zu Fuß, die sich allenfalls vordergründig durch ihre Bewegungstechnik unterscheiden, vielmehr aber durch Einstellungen und Zuordnungen geprägt sind, durch Attribute (Wanderstab, Pilgerstock, Hut, Rucksack u.a.) bezeichnet werden, manchmal Stereotypen erkennen lassen und sich hier und da mit Formen der Fußreise verbinden lassen:
Liste der Begriffe für 'zu Fuß unterwegs'

Literatur

  • Culmann, F. W.
    Zur Etymologie der Worte gehen und stehen: ein Wort über indo-germanische Wortbildung.
    (=Sprachliche Studien, 5) 72 S. Leipzig 1870: Fleischer.
  • Earls, James, Thomas Myers
    Born to walk: myofascial efficiency and the body in movement.
    Berkeley, California North Atlantic Books 2014.
    (deutsch: Born to Walk Den natürlichen Gang neu entdecken. Aachen Meyer & Meyer 2016) 256 S.
  • Ingold, T., Vergunst, J. L.
    Ways of walking. Ethnography and Practice on Foot
    X, 205 S. Aldershot 2008: Ashgate Inhalt
  • Kagge, Erling
    Gehen. Weiter gehen. Eine Anleitung.
    Aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenberg. 157 S., 15 Abb. Frankfurt am Main 2020: Insel.
  • Karin Krohn
    Hand und Fuß.
    Eine kontrastive Analyse von Phraseologismen im Deutschen und Schwedischen
    Acta Universitatis Gothoburgensis Göteborg 1994, 182 S.
  • König, Johann-Günther
    Zu Fuß: Eine Geschichte des Gehens.
    Reclam Verlag, 2013.
  • Mumot, André
    Irrwege zum Ich.
    Eine kleine Literaturgeschichte des Gehens.
    294 S., Literaturverz. S. 281 - 289. Zugl. Diss. Univ. Hildesheim 2007. Marburg 2008. Darin Betrachtungen zu und über:
    • Petrarcas Brief
    • Friedrich Schiller: Spaziergang
    • Adalbert Stifter: Hagestolz
    • Bergbesteigungen als Umkreisung des Ich
    • Das Mengenmenschenphänomen
    • Edgar Allan Poe
    • Thomas Bernhard: Am Ortler
    • Paul Auster: City of Glass
    • Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg
  • Birger Solheim
    Extremwandern und Schreiben. Ein kulturhistorischer Streifzug von Goethe bis Hesse.
    298 S. Ill, Karten, Wien 2018: Böhlau. DOI
    Wandertexte von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Hermann Hesse, Johann Gottfried Seume, Manfred Hausmann und anderen Autoren zwischen 1770 und 1930 werden untersucht auf praktisch-konkrete Inhalte, also etwa Orientierung, Wegfindung, Kleidung, Nahrung, Gepäck.
  • Rebecca Solnit
    Walking and Thinking and Walking. Fünf Meilen Gedanken über das Gehen als kulturelle Handlung.
    in: Paolo Bianchi (Hg.): Ankommen - Hiersein - Weggehen.
    Köln 1997: Kunstforum International 136
  • Wallace, Anne D.
    Walking, Literature, and English Culture: The Origins and Uses of Peripatetic in the Nineteenth Century.
    X, 265 S. Oxford 1993: Clarendon. Inhalt
1)
Winfried Breidbach
Reise - Fahrt - Gang. Nomina der Fortbewegung in den altgermanischen Sprachen.
Diss. Köln Peter Lang 1994
wiki/gehen.txt · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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