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Künstlerreisen

Die »Künstlerreise« findet sich zuerst als spöttische Metapher für Handwerker, die reisend ihre Künste anbieten müssen (→ Liste der Wanderarbeiter), um Arbeit zu finden 1) und »der zerprügelt, hungrig, lahm/ von seiner Künstlerreise kam« (Campe), wenn er nicht zum Künstler-Vaganten wurde (franz. Goliarden).

Der Künstler auf der Gesellenwanderung von Meister zu Meister kommt der Wirklichkeit näher, doch ist dieser vielmehr ein Handwerkerkünstler (→ Ausstellung 1981 Fahrendes Volk: Spielleute, Schausteller, Artisten). So aber wird das Reisen zur beschwerlichen Wanderung durch die Unbilden der Natur.

Der Künstler reist

»Das Reisen«, sagte er zu sich selber, »ist ein herrlicher Zustand, diese 
Freiheit der Natur, diese Regsamkeit aller Kreaturen, der reine weite Himmel 
und der Menschengeist, der alles dies zusammenfassen und in einen Gedanken 
zusammenstellen kann: O glücklich ist der, der bald die enge Heimat verläßt, 
um wie der Vogel seinen Fittich zu prüfen und sich auf unbekannten, schöneren 
Zweigen zu schaukeln. Welche Welten entwickeln sich im Gemüte, wenn die 
freie Natur umher mit kühner Sprache in uns hineinredet, wenn jeder ihrer 
Töne unser Herz trifft und alle Empfindungen zugleich anrührt. Ja, ich glaube, 
daß ich einst ein guter Maler sein werde, da mein ganzer Sinn sich so der 
Kunst zuwendet, da ich keinen andern Wunsch habe, da ich gern 
alles übrige in dieser Welt aufgeben mag.
 
 Ludwig Tieck (1773 - 1853) Franz Sternbalds Wanderungen, 3. Kapitel

Der Topos der Künstlerreise (engl. itinerant artist, frz. artiste itinérant, ital. artista itinerante) scheint im Alltag vertraut und weckt ein Vorverständnis, das zwar nicht erklärt werden muss, jedoch vielfältig interpretierbar (→ Die Reise als des Künstlers Muse, → Ausstellungsliste Künstlerreisen) und zudem vor dem 19. Jahrhundert nicht als eigene Reiseform nachweisbar ist. Als Protagonist wird meist Albrecht Dürer (1471— 1521) herangezogen. Das romantische Stereotyp begründeten:

Das Reisen, sagte Faber, ist dem Leben vergleichbar. Das Leben der meisten ist eine
immerwährende Geschäftsreise vom Buttermarkt zum Käsemarkt; das Leben der Poetischen
dagegen ein freies, unendliches Reisen nach dem Himmelreich. 
Leontin, dessen Widerspruchsgeist Faber jederzeit unwiderstehlich anregte, 
sagte darauf: Diese reisenden Poetischen sind wieder den Paradiesvögeln zu vergleichen, 
von denen man fälschlich glaubt, daß sie keine Füße haben. Sie müssen doch auch 
herunter und in Wirtshäusern einkehren und Vettern und Basen besuchen, und, 
was sie sich auch für Zeug einbilden, das Fräulein auf dem lichten Schlosse 
ist doch nur ein dummes, höchstens verliebtes Ding, das die Liebe mit ihrem bißchen 
brennbaren Stoffe eine Weile in die Lüfte treibt, um dann desto jämmerlicher, 
wie ein ausgeblasener Dudelsack, wieder zur Erde zu fallen; auf der alten, schönen, 
trotzigen Burg findet sich auch am Ende nur noch ein kahler Landkavalier usw. 
Alles ist Einbildung.

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857), Ahnung und Gegenwart (1815), Kapitel 5

Die Ziele der Künstlerreise sind Italien und das Mittelmeer, Griechenland, Orient, Japansehnsucht im 19. Jahrhundert, Tunesien … Ein sehr differenzierte Betrachtung des Themas breitet Claudia Caesar aus und betont, dass sich noch niemand in der Breite mit diesem Thema beschäftigt habe, wenngleich die Arbeiten zu Detailaspekten Legion seien:

Die gemalte Reise

Voyage pittoresque

Reisende Auftragsmaler

Dekorationsmaler gab es bereits in der Antike, aber im christlichen Europa entstanden mit zehntausenden Kapellen, Kirchen, Klöstern … Baustellen allerorten, die nur reisend erreichbar waren.

Die Kartenzeichner der Portolankarten verarbeiteten dagegen vertrauliche Informationen, da sie mit Schifffahrt und Handel verbunden waren. Reeder und Kapitän, Steuermann und Kartograph und Kompassbauer gingen im Mediterraneum aus derselben Familie hervor, mehrere Funktionen verschmolzen oft in einer Person (→ Kartographie im 13., 14., 15. Jahrhundert, Fernhandelsnetzwerke ). Die Berufsangaben der Kartographen umfassen in den Quellen (meist Notarakten) die Begriffe buxolerius (Kompassbauer), Maler (pictor) sowie mestre de cartes de navegar, magister cartarum navigandi, illuminator cartarum navigandi; die Kartographenfamilien waren bereits vorher als Händler und Seefahrer bekannt gewesen. Entstehungs- und Verwendungszusammenhang fallen in diesen Tätigkeitsfeldern zusammen, siehe das Frontispiz in: Willem Jansz Blaeu, Le Flambeau de la navigation, Amsterdam 1620: Jean Jansson.

Die Marinemalerei als Genre entstand im 16. Jahrhundert und setzt einen seereisenden Maler voraus.

Seit dem 18. Jahrhundert hat sich der Typ des Expeditionsmalers ausgebildet, der weder ein Wanderkünstler ist noch sich auf einer Künstlerreise befindet und dessen Hauptfunktion auf der Dokumentation lag.

Literatur

Atlas & Lexikon

Fallbeispiele

Querverweise auf Ausstellungen

Querverweise auf Essays in Ausstellungskatalogen

Orient

Übergreifende Themen