Die »Künstlerreise« findet sich zuerst als spöttische Metapher für Handwerker, die reisend ihre Künste anbieten müssen (→ Liste der Wanderarbeiter), um Arbeit zu finden 1) und »der zerprügelt, hungrig, lahm/ von seiner Künstlerreise kam« (Campe), wenn er nicht zum Künstler-Vaganten wurde (franz. Goliarden).
Der Künstler auf der Gesellenwanderung von Meister zu Meister kommt der Wirklichkeit näher, doch ist dieser vielmehr ein Handwerkerkünstler (→ Ausstellung 1981 Fahrendes Volk: Spielleute, Schausteller, Artisten). So aber wird das Reisen zur beschwerlichen Wanderung durch die Unbilden der Natur.
Howard, Patricia
Kurmann, Peter
Aleksandra Lipińska
Ramey, Lynn Tarte
Mossler, Kristen
(Hg.): Trade, travel, and exploration in the Middle Ages: an encyclopedia. New York 2000Schallaböck, Thomas
Franz Fromholzer, Jörg Wesche, Julia Amslinger
»Das Reisen«, sagte er zu sich selber, »ist ein herrlicher Zustand, diese Freiheit der Natur, diese Regsamkeit aller Kreaturen, der reine weite Himmel und der Menschengeist, der alles dies zusammenfassen und in einen Gedanken zusammenstellen kann: O glücklich ist der, der bald die enge Heimat verläßt, um wie der Vogel seinen Fittich zu prüfen und sich auf unbekannten, schöneren Zweigen zu schaukeln. Welche Welten entwickeln sich im Gemüte, wenn die freie Natur umher mit kühner Sprache in uns hineinredet, wenn jeder ihrer Töne unser Herz trifft und alle Empfindungen zugleich anrührt. Ja, ich glaube, daß ich einst ein guter Maler sein werde, da mein ganzer Sinn sich so der Kunst zuwendet, da ich keinen andern Wunsch habe, da ich gern alles übrige in dieser Welt aufgeben mag. Ludwig Tieck (1773 - 1853) Franz Sternbalds Wanderungen, 3. Kapitel
Der Topos der Künstlerreise (engl. itinerant artist, frz. artiste itinérant, ital. artista itinerante) scheint im Alltag vertraut und weckt ein Vorverständnis, das zwar nicht erklärt werden muss, jedoch vielfältig interpretierbar (→ Die Reise als des Künstlers Muse, → Ausstellungsliste Künstlerreisen) und zudem vor dem 19. Jahrhundert nicht als eigene Reiseform nachweisbar ist. Als Protagonist wird meist Albrecht Dürer
(1471— 1521) herangezogen. Das romantische Stereotyp begründeten:
Ludwig Tieck
Wackenroder, Wilhelm Heinrich
Das Reisen, sagte Faber, ist dem Leben vergleichbar. Das Leben der meisten ist eine immerwährende Geschäftsreise vom Buttermarkt zum Käsemarkt; das Leben der Poetischen dagegen ein freies, unendliches Reisen nach dem Himmelreich. Leontin, dessen Widerspruchsgeist Faber jederzeit unwiderstehlich anregte, sagte darauf: Diese reisenden Poetischen sind wieder den Paradiesvögeln zu vergleichen, von denen man fälschlich glaubt, daß sie keine Füße haben. Sie müssen doch auch herunter und in Wirtshäusern einkehren und Vettern und Basen besuchen, und, was sie sich auch für Zeug einbilden, das Fräulein auf dem lichten Schlosse ist doch nur ein dummes, höchstens verliebtes Ding, das die Liebe mit ihrem bißchen brennbaren Stoffe eine Weile in die Lüfte treibt, um dann desto jämmerlicher, wie ein ausgeblasener Dudelsack, wieder zur Erde zu fallen; auf der alten, schönen, trotzigen Burg findet sich auch am Ende nur noch ein kahler Landkavalier usw. Alles ist Einbildung. Joseph von Eichendorff (1788 - 1857), Ahnung und Gegenwart (1815), Kapitel 5
Die Ziele der Künstlerreise sind Italien und das Mittelmeer, Griechenland, Orient, Japansehnsucht im 19. Jahrhundert, Tunesien … Ein sehr differenzierte Betrachtung des Themas breitet Claudia Caesar
aus und betont, dass sich noch niemand in der Breite mit diesem Thema beschäftigt habe, wenngleich die Arbeiten zu Detailaspekten Legion seien:
Caesar, Claudia C.
Dekorationsmaler gab es bereits in der Antike, aber im christlichen Europa entstanden mit zehntausenden Kapellen, Kirchen, Klöstern … Baustellen allerorten, die nur reisend erreichbar waren.
Die Kartenzeichner der Portolankarten verarbeiteten dagegen vertrauliche Informationen, da sie mit Schifffahrt und Handel verbunden waren. Reeder und Kapitän, Steuermann und Kartograph und Kompassbauer gingen im Mediterraneum aus derselben Familie hervor, mehrere Funktionen verschmolzen oft in einer Person (→ Kartographie im 13., 14., 15. Jahrhundert, Fernhandelsnetzwerke ). Die Berufsangaben der Kartographen umfassen in den Quellen (meist Notarakten) die Begriffe buxolerius (Kompassbauer), Maler (pictor) sowie mestre de cartes de navegar, magister cartarum navigandi, illuminator cartarum navigandi; die Kartographenfamilien waren bereits vorher als Händler und Seefahrer bekannt gewesen. Entstehungs- und Verwendungszusammenhang fallen in diesen Tätigkeitsfeldern zusammen, siehe das Frontispiz in: Willem Jansz Blaeu
, Le Flambeau de la navigation, Amsterdam 1620: Jean Jansson.
Die Marinemalerei als Genre entstand im 16. Jahrhundert und setzt einen seereisenden Maler voraus.
Scholl, L. U.
Seit dem 18. Jahrhundert hat sich der Typ des Expeditionsmalers ausgebildet, der weder ein Wanderkünstler ist noch sich auf einer Künstlerreise befindet und dessen Hauptfunktion auf der Dokumentation lag.
Bianchi, Paolo
Barbara Gretenkord
Judy James Bellamy Bullington
Bacon, Henry
1839-1912Alcott, May
1840-1879Champney, James Wells
1843-1903Travis Elborough
Heimann, Regelind
Wilhelm Gentz
(1822-1890)Jan De Hond
Plagemann, Volker
Hans Cranachs
Reise 1537Tacke, Andreas
et al. (Hg.)Sarah Thomas
Augustus Earle
at SeaHackforth-Jones, Jocelyn
Thomas
und William Daniell
sowie James Wales
und Henry Salt
Johann Caspar Beeg
Ferdinand Stademann
Carl Wilhelm von Heydeck
Carl Rottmann
Ludwig Lange
Carl Haag
Ludwig Köllnberger
Leo von Klenze
Johann Michael Wittmer
Peter von Hess
Karl Krazeisen
Alfred Jacob Miller
Emil Orlik
in Japan. Adolf Gnauth
, Carl Rudolf Huber
,Franz Lenbach
, Hans Makart
und Leopold Carl Müller
reisten mit dem Karl Graf Lanckorónski
und dem Ägyptologen Georg Ebers
1875/76 nach ÄgyptenWilhelm Heine
Jean Denis Attiret
: Ein Jesuitenmaler am Hofe QianlongsLeo Putz
und Karl Plattner
. Zwei Tiroler Maler in BrasilienFrübis, Hildegard
Judith Knippschild
Emil Orlik
(1900/01)Marx, Petra
Raby, Julian
Dürer
and the Oriental mode.Seybold, Dietrich
.Leonardo da Vinci
im OrientTrauth, Nina
Gentile Bellini
[um 1429 - 1507] bis zum Ägypten-Feldzug Napoleons. Auf der Suche nach dem Orient. Paul Klee: Teppich der Erinnerung / Katalog, Hrsg.: Zentrum Paul Klee, Bern 2009. Red.: Michael Baumgartner, Carole Haensler Und Marianne Keller. 40-67.Gentile Bellini
einer Einladung Mohammeds II.
nach KonstantinopelWüthrich, Nathalie
Johann Ludwig Burckhardt
entdeckte die beiden Tempel von Abu Simbel, wurde bei der African Association angestellt, erkundete Nubien archäologisch, konvertierte wohl zum Islam, beriet Reisende wie William Banks
;Johann Heinrich Mayr
lernte Burckhardt
1812/1813 in Kairo kennen und bereiste etwa zwei Jahre den Vorderen Orient und veröffentlichte 1815 „Schicksale eines Schweizers während seiner Reise nach Jerusalem und dem Libanon“;Charles Gleyre
begleitete einen reisenden Privatmann in Ägypten mit der Aufgabe, Denkmäler, Trachten und mehr möglichst genau malend festzuhalten.Johann Jakob Frey
, Basler Maler, bereiste Ägypten und lernte in Rom Carl Richard Lepsius
kennen. Für diesen kopierte er Hieroglyphen und nahm später als wissenschaftlicher Zeichner an der Preussischen Expedition in Ägypten teil.Theodor Zeerleder
reiste zweimal privat durch Ägypten, 1850 begleitet vom deutschen Maler Alexius Geyers. Beide zeichneten Menschen, Landschaften und Denkmäler, die sich architektonisch im Selamlik von Schloss Oberhofen wiederfinden.Castelnuovo, Enrico
Feitsch, Diana Lucia
; Jaeger, Susanne
Johann Wolfgang von Goethe
[1749-1832]Keller, Susanne B.:
Luciani, Gérard
Joanna Page
Pechlaner, Harald, Elisa Innerhofer
Max Slevogt
– Die Reise nach Ägypten 1914Bernini
in Paris. Die Reise des römischen Bildhauers und Architekten an den französischen Hof 1665Rosemarie Dalberts
Expedition ins ZwischenreichPlagemann, Volker
Felix Alfred Plattner
Wenzel, Kai
White, Christopher
Conrad Wiedemann
(Hrsg.)