Nicolas
& Guillaume Sanson
Tabulae geographicae, quibus universa geographia vetus continetur, e multis authoribus collectae
ex Typ. Seminarii, Patavii, 1699
Dies ist eine alte Version des Dokuments!
engl. Collections of Voyages and Travels, Travel Collections; franz. compilations des récits géographiques; ital. compilazione storico-geografica, lat. Itinera collecta im Unterschied zu Itinera singularia
Der nachfolgende Korpus von Reisesammlungen wächst mit bisher (August 2025) rund 150 Werken und rund 2.400 dazugehörigen Bänden; hinzu kommen unterschiedliche Ausgaben, verschiedene Druckorte, weitere Auflagen und Raubdrucke. Damit sollten zumindest halbquantitative Auswertungen möglich sein.
Wegen des Umfangs sind die Reisesammlungen auf vier Unterseiten nach Jahrhunderten verteilt:
Reisende bringen Dinge zurück und Geschichten; die einen werden ausgestellt (→ Liste der Ausstellungen), wenn sie sehenswert sind, die anderen gedruckt, wenn sie lesenswert sind. Aus der Masse des Geschriebenen und Gedruckten heben sich solche Inhalte ab, die besonders ausgewählt wurden und erhalten Relevanz zu dieser Zeit und und zur gewählten Absicht.
Reisesammlungen werden hier aufgefasst als gedruckte Reiseliteratur (Berichte), deren Autoren erkennbar sind und die mindestens zusammengestellt, oft bearbeitet, manchmal mit Anmerkungen versehen herausgegeben sind. Im Unterschied zu anderen Formen der Wissensspeicherung sind ihre Merkmale:
Reisesammlungen in Form von Manuskripten können durchaus in Archiven zu finden sein, weil sie eben nicht öffentlich werden sollten, etwa
Fließende Übergänge finden sich zur
Reisesammlungen waren die Quellen geographisches Wissens, bevor es eine geographische Wissenschaft gab. Solches (Periploi, Itinerare …) zu sammeln soll bereits Aufgabe der Bibliothek von Alexandria gewesen sein und auch die antiken Geographen und Historiker (Herodot
, Strabon
…) beriefen sich auf Berichte von Reisenden und verarbeiteten deren Wissen. Auch die mittelalterlichen Sammelcodices (etwa das Speculum historiale als Teil des Speculum maius 2) von Vinzenz von Beauvais
im 13. Jahrhundert) verarbeiteten geographisches Wissen, jedoch ohne Quellen und Autoren zu benennen 3)
Das Reisen wurde ab dem 17. Jahrhundert zur Methode der Geographie, des Entdeckens und Erforschens. Damit setzte langsam die Unterscheidung zwischen Unterhaltung und Wissenschaft ein, zwischen Laien- und Fachpublikum:
Giambattista della Porta
(1535–1615) in Neapel die Academia Secretorum Naturae (ital. Accademia dei Segreti) als eine der frühesten naturwissenschaftlichen Akademien in Europa. Er selbst reiste 1563–1566 durch Italien, Frankreich, Spanien und suchte in Bibliotheken und im Gespräch mit Gelehrten und Künstlern technisches und naturwissenschaftliches Wissen. Dieses wurde später in seiner Akademie experimentell überprüft. Die Inquisition verbot diese Akademie 1578.Vincenzo Coronelli
(1650–1718) die Accademia Cosmografica degli Argonauti, die als älteste geographische Gesellschaft gilt.Charles de Brosse
, Autor der Histoire des navigations aux Terres Australes (1756) schlug als erster vor, Wissenschaftler auf Entdeckungsreisen mitzunehmen.Anton Friedrich Büsching
in Hamburg, später Halle, 1767−1788, 22 Bände.Hohmann, Joseph
Sir John Banks
in London die Association for promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa, kurz: African Association. Diese war eine Interessengesellschaft, denn Mitglieder zahlten Beiträge, damit sie die Expeditionsergebnisse erhielten; kommuniziert wurde mittels Briefverkehr.Bemerkenswert ist, dass Reisesammlungen ihre Wurzeln in Italien haben, weder in Portugal noch in Spanien, und dass sie insbesondere in englischer, deutscher und französischer Sprache erfolgreich wurden. Der enge Zusammenhang der frühen Reisesammlungen (Hakluyt, de Bruy, Hulsius …) mit der europäischen Expansion und den kolonialen Ideen findet sich vielfach bei:
Simon Karstens
Reisesammlungen stehen den formal strengen Bibliographien zur Reiseliteratur diametral gegenüber, indem sie die Inhalte in den Vordergrund stellen und bewerten.
Berichte werden ausgewählt und damit als relevant bewertet, wenn sie inhaltlich wertvoll sind, Neues enthalten, wenn sie (im jeweiligen Sprachraum) weithin unbekannt sind, aber auch wenn sie unterhaltsam sind. Wer dies macht, wird nicht immer (vollständig) angegeben, seine Funktionen (oft in Personalunion) im Verhältnis zu den von ihm benutzten Texten anderer Autoren kann erfasst werden als
Herausgeber von Reisesammlungen mussten sich mehr oder weniger mit ihren Vorläufern und Konkurrenten auseinandersetzen und haben ihre Ansichten manches Mal im Vorwort dargelegt, dabei meist betonend, was sie besser machen würden. Im Vorwort zu den Reisesammlungen wird mehr oder weniger deutlich formuliert, welche Interessen die Herausgeber dabei verfolgen und welche Kriterien sie zugrunde legten siehe beispielhaft Preface (Knox: A new collection of voyages, 1767) sowie die Vorworte von Green 1745 und Kerr
1811 (Band 18: 1824 William Stevenson). Dadurch erlauben die Reisesammlungen einen zeittypischen Blick auf die Rezeption der Reisen. Eine umfassende Untersuchung dazu scheint es nicht zu geben.
Johann Georg Meusel
4) mit 20 Reisewerken (Online), dabei an erster und zweiter Stelle mit dem siebten Band der Sammlung der besten und neuesten Reisebeschreibungen in einem ausführlichen Auszuge (→ 1763 Zückert) und dem ersten Band der Sammlung der besten und neuesten Reise beschreibungen in einem ausführlichen Auszuge (→ 1769 Köhler).Canzler
im Atlas der Erdkunde (Göttingen) »zahlreiche Zeitschriften für Länder und Völkerkunde«, die thematisch und über die Herausgeber (Bernoulli
, Büsching
, Fabri
, Forster
, Sprengel
) mit den Reisesammlungen verwandt bis identisch sind.Beckmann
(Litteratur der älteren … Band 2, Kap. 15, S. 200–205, → Liste der Bibliographien) ausführlich, jedoch im Allgemeinen bleibend, über solche Sammelwerke geäußert. Anlass dazu gab ihm das 1629 erschienen Werk von Pierre Bergeron
(→ 1629 Bergeron: Voyages). Dazu verweist er auf auf Neaulme
, »welcher nach dem Tode des van der Aa
(→ 1707) alle Abdrücke von den Erben gekauft hat« (206), worauf nach seiner Vermutung die (vermehrte) Ausgabe des Bergeron »Voyages …« von 1735 zurückzuführen sei und zitiert Baumgarten
»Bergeron habe darin viel nützliches gesammelt, aber oft ohne Genauigkeit und Deutlichkeit.«Kerr
/Stevenson
(Band 18, S. 534−536, Nr. 12−43) eine Liste von 30 Reisesammlungen (7 engl., 13 franz., 1 ital., 3 deutsche, je eine schwed., dän., belg., span. schweiz. sowie de Bry), von denen manche kommentiert sind, und verweisen auf die vielen deutschsprachigen Sammlungen, deren wichtigste bei Ersch
zu finden seien.Johann Samuel Ersch
(Literatur der Geschichte und deren Hülfswissenschaften seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis auf die neueste Zeit, ab Spalte 153) nennt bibliographisch knapp 35 deutschsprachige Reisesammlungen (Nr. 1217–1252) sowie ebensolche für die Jugend (Nr. 1253–1261), OnlineWilhelm Engelmann
Augustus Petherick
, S. William Silver
Bernard Quaritch
Die gedruckten Reisesammlungen richteten sich zunächst an ein elitäres Publikum mit Geld und Weitblick. Im Laufe der Zeit differenzierten sich die Zielgruppen, hinzu kamen
Joachim Heinrich Campe
, 1746−1818Avram, Antonia-Oana
Baker, J. N. L.
Matthew Binney
Horst Walter Blanke
Böhme, Max
Boerner, Peter
Camus, Armand-Gaston
, 1740-1804Crone, G.R
, R.A. SkeltonDay, Matthew
Haug, Christine
Hentschel, Uwe
Hilmes, Carola
Fiona Lejosne
Ramusio
etwa weist ausdrücklich auf die mangelnde literarische Qualität der von ihm ausgewählten Texte hin (»Sans compter que les textes retenus sont souvent lacunaires, mal écrits ou rudimentaires, aux dires de Ramusio«), sein Blick richtet sich vielmehr auf das geographische Wissen in seiner Funktion für künftige Entdeckungen.Peitsch, Helmut
Reichert, Folker
Joan-Pau Rubiés
Wagner, Sabine
Stéphane Yérasimos
Nicolas
& Guillaume Sanson
Johannis de Plano Carpini
und das Itinerarium Simonis de Sancto Quintino Ridder, Klaus
Baumgärtner, I.