Brunner, Hellmut: Ein Assyrisches Relief Mit Einer Ägyptischen Festung. Archiv Für Orientforschung, vol. 16, Archiv für Orientforschung (AfO)/Institut für Orientalistik, 1952, pp. 253–62, http://www.jstor.org/stable/41635787, insbes. Fußnote 52Dies ist eine alte Version des Dokuments!
Tragstange
Die Last in den Händen zu tragen behindert Arm- und Beinfreiheit, daher bietet sich das Tragen auf dem Kopf als einfachste Tragetechnik an und ist in vielen afrikanischen Ländern bis heute verbreitet, während das Tragenetz (z.B. bilum in Papua-Neuguinea) das Tragen mit der Stirn, der Schulter und dem Rücken ermöglicht. Ein assyrisches Relief zeigt gleich mehrere Tragetechniken nebeneinander, auch Tragstange und Tragjoch 1).
Die Tragstange (seltener: Tragstecken, 1631: Tragprügel; ndd. Dracht, Reedschop, engl. Carrying pole, dän. åg, poln. Koromysło, russ. Коромы́сло, Ceylon pingo, indonesisch pikulan ) bildet technisch den nächsten Schritt, da sie die Last auf die Schultern des Trägers legt und vom Körper fernhält. Dazu muss sie ergonomisch geformt sein und Befestigungsmöglichkeiten für Behälter (Sack, Beutel, Korb, Rohr > Eimer) bieten. Das altgriechische `ζυγός zygos´ umfasste mit den Bedeutungen `Gabel, Tragstange, Schultertrage, Joch, Bügel´ eine ganze Reihe von Tragwerkzeugen. Die Bibel erwähnt die mot(ah) `Tragstange´ 2).
- Über einer Schulter getragen hängen Lasten vor und hinter dem Körper. Technisch entscheidend ist dafür das Biegemoment des Materials. In Europa wurde besonders die Esche (Fraxinus excelsior, engl. ash) verwendet, wegen ihrer Dauerhaftigkeit, Elastizität, Biegsamkeit, Festigkeit, Splitterfreiheit; in Asien wurden Bambusstangen hergestellt.
- Über beide Schultern getragen wird die Tragstange zum Joch, die Lasten hängen seitlich vom Körper. Technisch entscheidend ist dafür der ergonomische Formschluss im Nackenbereich: Rum. coácă, obránită, obrámnită `Tragjoch der Wasserträger’, russ. коромысло.
- Die Tragstange (lat. furca) der römischen Legionäre wurde senkrecht getragen, daher die Y-Form, die die Tragstange mit der Deichsel verbindet. Technisch entscheidend ist dafür die bruchfeste, also natürlich gewachsene Gabelform (ahd. gaffel). Solche gestörten Wuchsformen heißen allgemein Zwiesel (z.B. im 12. Jh.: furca zvisela, furgca haggo vel zuisilla).
- Eine Tragstange mit zwei Trägern (türk. syryk, rum. păringă): »An einer 2 Klafter langen, etwas elastischen Stange, welche zwei starke Männer auf den Schultern tragen, ist eine Hängematte angebunden, in der der Reisende ganz bequem liegt …« 3)
- Zwei Tragstangen mit vier Trägern für schwere Lasten oder für Sänften (auch: Chaise, Palanquin, engl. litter.
Haafner, Jacob
Reise in einem Palankin. Erlebnisse und Begebenheiten auf einer Reise längs der Koromandelküste Südindiens in den Jahren 1785 und 1786.
Aus dem Niederländ. übers. und hrsg. von Thomas Kohl. 577 S. Ill., [Mainz] [Johannes-Gutenberg-Buchh. Kohl] 2003
Literatur
Basler, A.
Tragen mit Hilfe einer Stange.
Arbeitsphysiologie 2 (1929) 76–84. https://doi.org/10.1007/BF02020128Kenntner G.
Gebräuche und Leistungsfähigkeit des Menschen im Tragen von Lasten.
Biogeographica 3 (1973) Springer, Dordrecht. https://doi.org/10.1007/978-94-010-2704-5_1- urdravidisch *karai ´Tragstange´ siehe:
Berger, Hermann
„Buchbesprechung“: Decipherment of the Proto-Dravidian Inscriptions of the Indus Civilization. A first announcement„ und“ Progress in the Decipherment of the Proto-Dravidian Indus Script. von Asko Parpola, Seppo Koskenniemi, Simo Parpola and Pentti Aalto. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 120.2 (1970) 420-421. von Arnim, B.
Slavische Sternsagen Und Sternnamen. 1. Die Vorstellung: Mädchen mit Eimer und (oder) Tragstange.
Zeitschrift für Slavische Philologie, 18.1 (1942) 86–104, Universitätsverlag Winter, Online.- Reise mit der Tragstange [in Madagaskar]. in: Bilder-Tafeln zur Länder- und Völker-Kunde mit besonderer Berücksichtigung der evangelischen Missionsarbeit. Herausgegeben von dem Calwer Verlagsverein. Calw & Stuttgart. 1883: Tf. 114, 2).
Cook, J. R.
Crucification in the Mediterranean World.
(= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, 327 ) XXIV, 522 S. Tübingen Mohr Siebeck 2015, Kapitel furca S. 37 und furcifer S. 44, abgrenzend zu Patibulum and staurosMountjoy, Guido
The comic alpenstock.
The University magazine, 1878-1880 30.179 (1847): 560-566.
