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Straße
Die erste für den motorisierten Verkehr gebaute Straße wurde 1901 freigegeben und führte von Antananarivo nach Tomasina, 200 Kilometer durchs Hochland von Madagaskar. Damals gehörte das einzige Auto auf der rund 2.000 Kilometer langen Insel dem französischen Gouverneur, General Joseph-Simon Galliéni.
Bahn & Route
Wo jedoch noch niemand gegangen ist, bricht sich der Mensch Bahn im Gelände, durch den Busch oder spurt durch den Tiefschnee, einen allerersten Pfad hinterlassend. Damit ist den Nachkommenden gleich mehrfach gedient:
- der Boden ist gebahnt, der Platz wird gegen die Widerstände des Geländes gewaltsam geräumt und damit wird die Fortbewegung erleichtert (Autobahn, Eisenbahn);
- die Richtung ist vorgegeben und damit wird auch die Wegfindung und Orientierung erleichtert.
Parallel und bedeutungsgleich dazu hat sich das französische `route´ für `Weg, Richtung´ aus einem altfranzösischen `rote´ (‘Straße, Weg, Bahn, Spur’ ) gebildet, das seinerseits aus vulgärlateinischem (via) rupta ‘durch den Wald geschlagener Weg’ und der lateinischen Grundform rumpere ‘(zer)brechen, zerreißen, zersprengen´ entstand 1).
Im heutigen Deutschen wird der Begriff Route dann verwendet, wenn es nicht auf die Beschaffenheit des Weges ankommt, sondern auf die Wahl der Wegeführung, die zwar alle von A nach B führen, jedoch als alternative, andere, neue, reizvolle, spezielle Route unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Vor der Fahrt werden unterschiedliche Routen bedacht, nach der Fahrt wude aus der unbestimmten eine bestimmte Route.
Spur & (Trampel-)Pfad
Selbst im bush und in der von Menschen unberührten Wildnis hinterlassen Tiere Spuren, die bei wiederholter Nutzung, also regelmäßigen Wildwechsel, zum Trampelpfad werden. Pfade entstehen, weil auch das Wild die Anstrengung meidet immer neue Pfade durchs Gebüsch zu bahnen. Die afrikanischen Elefantenpfade (niederländisch Olifantspaadje) sind mindestens zwei Meter breit und ersparen den durch die Wildnis Reisenden manche Mühe.
Steig & Weg
Dort, wo solche Pfade ein Ziel haben - Wasserstelle, Schutzort, Furt oder Pass - das auch der Mensch sucht, werden sie zum gangbaren Steig, der sich durch Bequemlichkeit und Ziel auszeichnet. Der Weg (lat. via) ist dem Pfad (lat. semita, sanskrit patha) und dem Steig (ahd. stiga) immer übergeordnet 2). Das althochdeutsche »floug er sunnun pad, sterrono straza, wega wolkono« 3) bezeichnet die drei Kategorien als »der Sonne Pfad, der Sternen Straße, der Wolken Wege« 4) und charakterisiert damit den Pfad als vorbestimmte enge Bahn, die Straße als breites Band, die Wege als unberechenbar.
Track & Piste
Ein track ist dem niederdeutschen Wortursprung nach ein Weg, auf dem Mensch oder Zugtier etwas ziehen: Schleife, Schlitten, Karre, Trekker, Wagen. Ein solch befahrbarer Weg durchs Gelände wird zur Piste und mit erhöhtem technischen Aufwand zur Straße, wie sie etwa im Römischen Reich gebaut wurden. Im germanischen Sprachraum war das neu, also wurde `Straße´ als lateinisches Lehnwort übernommen.
Straße & Verkehr
Die Straße setzt also einen zielführenden Weg voraus, bietet jedoch zusätzlich verkehrsmittelbedingte Trassenführung, Entwässerung, Brücken sowie Markierungen und Signale, die die Wegfindung erleichtern.
- Der Unterbau umfasst die Schichten zwischen Oberbau und Unterboden.
- Auf einem Erdplanum, das gewachsen oder geschüttet sein kann, jedoch als Frostschutzschicht seitlich durch Querneigung entwässert werden muss, wird eine Schottertragschicht ohne Bindemittel aufgebracht.
- Der Oberbau umfasst eine Asphalttragschicht und eine Asphaltdecke.
- Als Bindemittel im Oberbau wird Bitumen verwendet.
- Bitumen wird aus Erdöl gewonnen, ist nicht flüchtig, wirkt abdichtend und zeigt ein elastoviskoses Verhalten.
- Im Unterschied dazu enthält Teer flüchtige Bestandteile und ist flüssig.
Straßen werden uneinheitlich kategorisiert nach Bedeutung, jedoch in unterschiedlicher Gewichtung je nach
- Untergrund (Kiesstraßen, Erdstraßen, Salz-Kiesstraßen, Sandstraßen, Lehmstraßen)
- Lage (z.B. Ringstraße, Landstraße bzw. Highway)
- Verkehrsaufkommen (z.B. Hauptstraße)
- Länge (z.B. Fernstraße, Magistrale)
- Bauart und Verkehrsmittel (z.B. Autobahn)
- Belastbarkeit (z.B. Panzerstraße, Haul Road)
Für Reisende werden Verkehrsunfälle zum größten Risiko unterwegs, doch die gefährlichsten Straßen der Welt halten durchaus unterschiedliche Gefahren bereit; dazu gehören auch die höchsten Straßen der Welt.
| Begriff | englisch | französisch |
|---|---|---|
| Straße | road | route |
| Allwetterstraße | all-weather road | route permanente |
| Allzweckstraße | all-purpose road | route ordinaire |
| Hauptstraße | trunk road | axe primaire |
| Mautstraße | toll road | route à péage |
| Ländliche Wege | rural road | voie rurale |
| Straßenbelag | road surface | revêtement |
| Straßenmarkierung | road markings | marques routières |
| Schotterpiste | gravelled road | route gravillonnée |
| einstreifiger Weg | strip road | chemin à bandes de roulement |
| befestigte Straße | paved road | route à revêtement en dur |
| schlechte Straße | uneven road | route déformée |
Querverbindungen
Für alle Reisegenerationen waren diese Wege nie Selbstzweck und niemals isoliert, da sie immer etwas verbanden, daher ist auch dieses Thema als Teil eines soziotechnischen Handlungssystems verbunden mit
- Reiseerfahrungen, die vorliterarisch eingingen in Jargon, Metaphern, Sprichwörter der Völker und andere Reisebilder sowie in andere Formen der oral history
- Weltanschauung veränderte das Weltbild
Literatur
Heinrich Bulle
Geleisestraßen des Altertums
Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1947, Heft 2
München 1948, 133 S., 30 TafelnGünther Kühn
Der gleislose Erdbau
Berlin Springer 1956, 376 S., ISBN 978-3-642-49006-4Landau, Georg
Beiträge zur Geschichte der alten Heer- und Handelsstraßen in Deutschland.
Eingeleitet und durch eine Übersichtskarte erläutert von Willi Görich (Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde, Heft 1), Kassel / Basel 1958Alfred Weise
Vom Wildpfad zur Motorstraße. Streifzüge durch die Geschichte des Verkehrs
Verkehrswissenschaftliche Lehrmittelgesellschaft Berlin 1933
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Winfried BreidbachReise - Fahrt - Gang.
Nomina der Fortbewegung in den altgermanischen Sprachen.
Peter Lang 1994 Diss. Köln S. 159, Fußnoten 499, 500
Otfrieds Evangelienbuch 1,5,5-6