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wiki:zeitleiste_des_reisegepaecks

Zeitleiste des Reisegepäcks

→ Liste der Reisegepäckarten
→ Zeitleiste der Reisegepäckstücke

Vor mehr als 5.000 Jahren

Der Mann vom Hauslabjoch, bekannt als »Ötzi«, konserviert als eine rund 5.300 Jahre alte »Gletschermumie« aus dem Ötztal in den Alpen, war gut mit Tragevorrichtungen durchdacht ausgestattet und unterwegs mit

  • einer Rückentrage1)
    Diese bestand aus einem rund zwei Meter langen gebogenen Haselnussstab als Rahmen, daran drei Lärchenholzbrettchen, geschnürt mit Lindenbast und vermutlich mit einem Tragesack aus Fell (nicht erhalten).
  • einer Gürteltasche
    u.a. mit Feuerstein und Zunder, wie man sie bis heute noch im Himalaya sehen kann;
  • zwei Dosen aus Birkenrinde
    davon eine für den Transport von Glut; solche Behälter wurden in ganz Eurasien und im nördlichen Amerika hergestellt, auch noch heute;
  • einem Proviantbeutel oder Waidsack für kleine Jagdbeute;
  • Bogen, Pfeile und Köcher aus Leder;
  • ein Feuersteinmesser mit Griff, mit Bastzwirn gebunden, in einer Scheide;
  • ein geschäftetes Kupferbeil.

Dies sind die ältesten bekannten und erhaltenen aus einer langen Liste von Reisegepäckarten; offensichtlich fehlen jedoch ein Wanderstab und ein Wasserbeutel.

Vor rund 3.000 Jahren

Für die ältesten Formen von Wandermönchen, der indischen (Dandin), sind die Vorschriften der Veden, der Jain und der Buddhisten überliefert. Sie alle haben ihre eigenen Regeln für Ausrüstung. Zwar sind alle Vorschriften mehr oder weniger minimalistisch 2), dennoch zeigt sich eine Bandbreite zwischen Besitzlosigkeit und Armut, zwischen dem Leben in der Wildnis, der Waldeinsamkeit oder am Rande der Gesellschaft, eine Gratwanderung zwischen notwendigem Bedürfnis und überflüssiger Begierde.

Veda
Schüler
Brahman.
Bettel-Asket
Jain
Novize
Jain
Mönch
Buddh.
Mönch
Yâyâvaras
Samnyasin
dandamānava
dandagrahana
& antevāsi
seha pravrajita upasampadā
supravrajita
Gelübde Besitzlosigkeit Besitzlosigkeit Armut
Trinken Wassertopf
mit Filtertuch
Filtertuch
Ernährung Almosenschale Almosenschale Almosentopf
mit Tuch
Almosentopf Almosenschale
pindapäta
Kleidung Gewand
Antilopenfell
Lendenschurz 3 Teile 1 Teil
aus Lumpen
3 Teile
aus Lumpen
Wanderstab Körperlänge 1-2 Stäbe [vi]dandaga Wanderstab khakkhara
hikkala
Tragehilfen Tragestange
Gürtel aus Gras
Seil Gürtel
Werkzeug Sichel Kuthahari Besen Messer, Nadel
Sonnenschirm
Zahnholz
Untersagt keine Schuhe
kein Sonnenschirm
kein Feuer
Anzahl gesamt 12-14 8
  • Der Stock der Veda-Schüler sollte kopfhoch sein und aus bestimmten Holzarten bestehen.
    Der Stab des Brahmana sollte aus Palasa-Holz bestehen.
    Der Stab des Snataka besteht aus Bambus.
    Der buddhistische khakkhara ist lang und untermalt mit seinen metallenen Ringen klingend jeden Schritt, damit wilde Tiere und Dämonen vertreibend.
  • Die Kleidung der Veda-Schüler und der buddhistischen Mönche durfte nur aus Leinen, Baumwolle, Seide, Wolle, Hanf bestehen.
  • Die Tragestange vivadha war ein Bambusrohr mit Schnüren zum Befestigen der Lasten.
  • Die Almosenschale der Veda-Schüler musste aus Ton, Bambus, Holz oder Flaschenkürbis bestehen.

Vor rund 2.000 Jahren

Die griechischen Kyniker folgten ihrem Vorbild Diogenes von Sinope (um 413 - um 323 v. Chr.) mit einem vergleichbaren Ansatz, der bactropērīta; das Gepäck dieser Wanderphilosophen umfasste:

  • Einen doppelten Mantel aus grober Wolle, den tribôn, wörtlich `Reiber´, lateinisch pallium.
  • Einen einfachen, knotigen Wanderstab ξυλο-φορέω `Holz tragen´.
  • Eine Umhängetasche pera enthielt Becher, Schale, Brot, ein Ölfläschchen Olpe und ein Messer.
  • Eine (Pilger-)Flasche« kṓthōn, einen Wasserbehälter oder -schlauch.
  • Sandalen durften, mussten aber nicht sein.

Um 190 BC nannte Jesus Sirach in einer Art praktisch-philosophischem Lehrbuch 3) den wesentlichen Bedarf für das Leben der Menschen:

  • Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Honig, Milch, Wein, Öl und Kleidung

Die römischen Soldaten und Legionäre trugen deutlich mehr Gepäck (sarcina) 4). Rund 20 Kilogramm hingen am Querholz einer gabelförmigen Tragestange (furca) aus Eschenholz; hinzu kamen Kleidung und Waffen. Als Gepäckstücke dienten:

  • Mantelsack (mantica)
  • Proviantnetz (reticulum)
  • Ledertasche (loculus, pera) für Kleinteile
  • Feldflasche (ampulla)
  • Fellrolle
  • Koch- und Essgeschirr
    • Stolle, Franz
      Der römische Legionar und sein Gepäck (Mulus Marianus).
      Eine Abhandlung über den Mundvorrat, die Gepäcklast und den Tornister des römischen Legionars und im Anhang Erklärung der Apokalypse 6,6.
      67 S. Strasbourg 1914: Trübner.

Die wichtigsten Dinge für eine Reise werden unter anderem im Neuen Testament (Lukas 10, 1-12) wiederholt genannt. Diese Ausstattung war bewusst spartanisch, damit die Jünger per pedes apostolorum lernen sollten, auf Gott und damit auf Almosen zu vertrauen, sie durften mitführen:

  • den Geldbeutel (gr. ballantoin) mit Geld (argyrion)
  • die Vorratstasche (gr., lat. pera)
  • die Sandalen (gr. hypodemata)
    • Katherine Ely Dohan
      Hypodemata: The Study of Greek Footwear and its chronological Value
      Bryn Mawr College, 1985, 286 S.
  • den Wanderstab (gr. rhabdos) 5)
  • aber kein zweites Hemd (!)

Das Reisegepäck der Pilger im Mittelalter

Wie bei jedem anderen Reisenden mussten Kleidung und Ausrüstung praktisch und nützlich sein 6). Darüber hinaus entwickelte sich eine Art Bildsprache (Ikonographie) 7), damit beispielsweise Pilger oder Vaganten anders wahrgenommen wurden als wandernde Handwerksburschen, Fahrende Händler, Bettler, Aussätzige.

  • Pilgerhut mit breiter Krempe (petasos)
  • Pilgerumhang (frz. pelerine), also kein Mantel
  • Untergewand
  • Sandalen, Schuhe oder Stiefel 8)
  • Pilgerbörse für Münzen, Wertsachen und Pilgerpass
  • Pilgertasche (lat. pera)
  • Pilgerflasche, ein Lederbeutel oder eine Kürbisflasche
  • Rosenkranz
  • Beutelbuch für begüterte und gebildete Pilger 10)
  • Rund 1.600 Pilgerzeichen der Pilgerziele für Hut, Kleidung oder Tasche 11)
    • Kreuz als Zeichen für das Pilgerziel Jerusalem
    • Muschel als Zeichen für das Pilgerziel Santiago de Compostela
    • Schlüssel und Schwert oder Veronikatuch als Zeichen für das Pilgerziel Rom
    • Madonnen als Zeichen für das Pilgerziel Walsingham

Japanische Pilger 1894

Alex Braun beschreibt japanische Pilger um 1894:
»Schaaren von Pilgern, meist Männer und Knaben in weißen Gewändern, mit Strohsandalen und tellerförmigen Strohhüten, mit großen grünen Matten als Wettermänteln, einem Kürbis als Wasserflasche und einem knotigen Bambus als Wanderstab …« 12)

Das Reisegepäck des Fahrenden Volkes

Eine Liste der klassischen Reiseausrüstung des Fahrenden Volkes umfasst:

  • Kluft
    Kleidung aus Cord, Wolle, Leder für Hemd, Jacke (»Lodenjoppe«), Hose, Hut
  • Regenschutz
    schulteraufliegend oder als Kapuzenmantel, ein grober Kotzen, Loden oder Düffel
  • Schuhwerk
    »Trittlinge«: Wanderschuhe mit genagelter Sohle oder Stiefel
    Gamaschen, Hirschtalg, Fußlappen
  • Gürtelgehänge für
    Beutel, Essutensilien, Messer, Werkzeug 13)
  • Stock als Wanderstab, Stütze und Waffe
    Knotenstock, Stenz, Knobkierie

Das Reisegepäck der Seefahrenden ab dem Mittelalter

  • schipkisten: Seekiste, Schiffskiste, holl. Scheeps-kist, dän. Söe-Kiste, engl. Sea-chest, Sailor’s chest;
  • huðfat `Bettzeug´, ein aus Fell (hud) gefertigter Schlafsack
  • 1375 hudfat in Rostock
  • 1403 watsecke aus Wolle 14)
  • 1449 die matten der Matrosen 15)

Quellen:

  • Ellmers, Detlev
    Mit Seekiste und Bettzeug an Bord.
    Das Reisegepäck der Seefahrenden vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert.

    Hansische Geschichtsblätter 127 (2009) 1-53.
  • Ellmers, Detlev
    Einmal Rostock – Malmö und zurück. Die Abrechnung einer Seereise aus dem Jahre 1375.
    Hansische Geschichtsblätter, 126 (2008) 247-266. Online
  • Hjalmar Falk
    Altnordisches Seewesen.
    Wörter und Sachen 4 (1912) 1-122

Das Reisegepäck der Begüterten im 17. Jahrhundert

Reisetruhen, »z. B. eine, in der sich eine bettstatt im feld zu gebrauchen befänden, mit stroosakh, materazo, pfulgen, leilacher, deckhin, umbhäng, tischblättlin, […] 2. stul, nachtstul, vnd anderß, die dekhinen vnd umbhang […] In einer anderen Truhe seien aine feldtafel, mit 6. lidernen stuelen oder seßelen, ain credenz tisch, mit 2. bänkhlen, das geschürr darauf zu stellen: tischleinwat auf 6. gäst, tischgerait von schißlen, teller, salier, leichter, leffel, messer, piron, flaschen, alles von zihn […] «
Eine Empfehlung des Philipp Hainhofer aus Augsburg an Herzog August den Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg in einem Brief um 1643.
In selbiger Quelle aus einem Brief von 1695:
Die Juweliere haben mir zwei mit rotem Leder und vergoldeten Beschlägen überzogene, innen mit rotem Samt und Atlas gefütterte fueterlen oder trüchlen, eins über einen Werkschuh lang und auch so hoch, mit sich auf der rayß zu fueren, gezaigt, vnd ist in Jeden oben hero die schreiberey, alß dintenfaß, streebüchß, spangenfach, geschrauffte federn, messerlen, scherlen, vnder schidliche mathematische instrumenta, proportional zirkl, brillen, Compas, Compasring, auglige gläser, schöne Carten, würfel, drehewürfel mit balsambüchsen etc. papir, Calender, vnd der gleichen. Im mittleren gaden ist die apoteg mit gläßlen büchßlen, schächtelen, pfändlen, schißlen, bündbüchß, zungen vnd salben spaaten, trachterlen, gewichtlen. Im Dritten gaden ist der Campelzeug mit spiegel, streel, hartuch, haarzangen, scheer, scheermesser, flitten, ventausen, streichruemen, saiffenkugeln etc. sehr compendios, vnd zu täglichen gebrauch ainem herrn oder frawen dienlich wäre.

  • Ronald Gobiet
    Der Briefwechsel zwischen Philipp Hainhofer und Herzog August d. J. von Braunschweig-Lüneburg.
    (= Forschungshefte Bayerisches Nationalmuseum, 8) 934 S. München 1984: Deutscher Kunstverlag.

Reisegepäck für Fusswanderer im Gebirge 1828

Aus dem Jahr 1828 erhalten wir eine akribische Liste, was der Fußwanderer mit ins Gebirge zu nehmen hat und was nicht, zudem mit aufschlußreichen Anmerkungen, die auf das Weltbild des Fußreisenden der damaligen Zeit schließen lassen:

  • Berndt, Johann Christian Gottlieb
    Wegweiser durch das Sudeten-Gebirge.
    Breslau 1828: Grüson u. Comp. VIII, 712 S., 1 Falttafel. Online und hier als Auszug. Darin die Vorbereitung zur Reise (Zeit, Plan, Dauer, Gesellschaft, Reiseart, Reisegepäck, Reisekleidung) S. 3-15 und die Organisation der Reise (Tagesordnung, Marschart, Führer, Benehmen, Reise ins hohe Gebirge, Reisenoth) S. 15-29

Canvas und Khaki für das Leben im Busch ab dem 19. Jahrhundert

In den tropischen Kolonialgebieten entstand eine ganz eigene Reiseaussstattung für das Reisen im bush, ausführlich dazu siehe Reisekleidung, Khaki und Safari.
Camping und Canoeing begannen im 19. Jahrhundert mit weitgehend seibstgefertigter Ausrüstung:

  • Frazer, Perry D.
    Canoe Cruising and Camping.
    87 S. New York 1897: Forest and Stream Online
    • Camping Outfit: Tents Without Poles — Canoe, Protean, Wedge, and Other Forms of Tents — A Tent in a Storm — A Cheap Tent - Waterproof Blankets — Three Recipes for Waterproofing Canvas - Buy the Best Blankets — Sleeping Bags — How to Make One — Cork Cushions — Home-Made Cork Beds and Cushions — The Camp Axe — The Duffle Bag — Grub Boxes and Bags — Selecting the Cooking Outfit — A Portable Range — List of Food Needed for one Person on a Month's Cruise — Selecting Food and Supplies.
    • Clothing: What to Take — The Underwear-Good Flannel Shirts — Knicker bockers and Coats — The Sweater — Wool Clothing Best — Waterproof Garments — The Moccasin for General Wear — Avoid Boots and Leggins — Paddling Gloves — Warm Gloves for Cold Weather.

Koffer für die Eisenbahn ab Mitte des 19. Jahrhunderts

»Diesen Koffer habe ich im Jahre 1849 von Moritz Mädler am Markt in Leipzig für
elf Thaler gekauft, und wie viel tausend Meilen ich mit ihm in der Zeit gemacht, 
wäre wohl kaum zu sagen. Dabei ist nie ein Ueberzug über seine schwarze Haut 
gekommen und trotzig hat er der brennenden Sonne der Tropen, wie Schnee, Regen und 
Salzwasser die Stirn geboten. Von 1849–52 begleitete er mich um die ganze Erde, 
dann lange Jahre auf allen Zwischenreisen, 1860 und 61 wieder nach Süd-Amerika, 
1862 nach Afrika, und immer und immer hielt er treu aus.

Friedrich Gerstäcker: Mein alter Koffer
Die Gartenlaube 22 (1866) 352, https://de.wikisource.org/wiki/Mein_alter_Koffer

Der Kutschenkoffer stand auf dem Fahrzeug, musste stabil und wetterfest sein und war gewölbt, damit der Regen abfloss und der Riemen fest saß. Das erschwingliche Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln verdrängte im 19. Jahrhundert den Schrankkoffer (engl. trunk) der Begüterten, die über Kutschen und Träger verfügten.

In Massenverkehrsmitteln wie der Eisenbahn gibt es einen Gepäckraum und Gepäckablagen, der Koffer muss also kleiner sein und stapelbar. Damit wurden auch die Dinge für unterwegs kleiner, faltbar oder klappbar, damit sie in den einfachen Koffer (engl. humble suitcase) passten 16), insbesondere Anzüge (suit-case). Dennoch verbringen Koffer die größte Zeit ihres Lebens langsam verstaubend in der Abstellkammer und ihre schlimmste Zeit in Frachträumen und in den respektlosen Händen fremder Menschen.
Als Hartschalenmaterialien eignen sich Graupappe (billigst und leicht), Blech, Sohlenleder oder Pappelholz; mit oder ohne Bezugsstoffe (Canvas, Leder …), hinzu kommen Beschläge (Scharniere, Ecken, Schloss). Ein Vorläufer der Kunststoffe war ab 1855 Vulkanfiber (engl. Vulcanized fibre, trunk fibre). Noch 1968 17) warb die VEB Kofferfabrik Kindelbrück für »Schalenkoffer aus garantiert Echt Vulkanfiber mit Aluschiene, strapazierfähig und praktisch für jede Reise«.

  • Carl Moritz Mädler gründete 1850 in Wurzen die »Königlich Sächsischen concessionirten Koffer- und Taschen-Fabrik Moritz Mädler«. Ein 1894 patentiertes 18) Verfahren ermöglichte die Herstellung leichter wasserdichter Koffer, indem Rohrstäbe in Flachssegeltuch eingewebt wurden. Bild sowie Anzeigen für Reisegepäck, an erster Stelle der Gerstäcker-Koffer aus Sohlenleder mit Kupfernieten. 1964 wirbt die Lufthansa für ein Bord-Case von Moritz Mädler (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg): »Sie brauchen nicht mehr auf Ihr Gepäck zu warten, wenn Sie mit Mädlers Bord-Case reisen.«
  • Louis Vuitton (1821–1892) arbeitete als gelernter »layetier-emballeur-malletier« auch für die damalige französische Kaiserin, die Ansprüche der Oberklasse waren ihm vertraut. Nach 17 Jahren Berufserfahrung gründete er 1854 eine eigene Firma, die Luxuskoffer (trunks) herstellte. Dabei wich er von der traditionell gewölbten Form ab und baute quaderförmige und damit stapelbare Koffer. Indem er das schwere Leder durch einen edel aussehenden, grauen, belastbaren, luft- und wasserdichten Leinenstoff auf Pappelholz ersetzte (Trianon Canvas), konnte er auf den gewölbten Deckel (couvercles bombés) verzichten. Der Weber Émile Dufort war zuvor für seine robusten Zeltleinwände bekannt geworden. 19) Damit ergab sich ein besseres Volumen-Gewichtsverhältnis, zumal die Oberschicht zunehmend mit Luxuszügen und Dampfschiffen reiste, der Koffer also wettergeschützt war. 1876 konstruierte er ein »Kofferbett für Entdeckungsreisende«. 1888 führte sein Sohn George Vuitton das Schachbrettmuster ein (Damier Canvas), 1890 das sechseckige, einbruchsichere Schloss.
    • Pasols, Paul-Gérard
      Louis Vuitton: la naissance du luxe moderne. 559 S. Aktualisierte Auflage. Bibliogr. S. 548-549. Index. Paris 2012: La Martinière. (= The Birth of Modern Luxury. New York, = Louis Vuitton die Erfindung des Luxus, München)
    • Kult mit Koffern.
      DER SPIEGEL 45/1982 07.11.1982 Online

»Autokoffer« werden nur zwischen Haustür und Kofferraum getragen; sie sind zwischen Abfahrt und Ankunft im Fahrzeug geschützt. Sie müssen leicht sein, aber nicht wetterfest, bedürfen keiner Stahlkappen. Ab den 1950er Jahren verdrängten Kunststoffe - Polypropylen, Polycarbonat, ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere) - ältere, schwere Materialien in die teure Vintage-Ecke.

Bei Flugreisen zählt jedes Kilogramm. Den ersten Leichtmetallkoffer aus Aluminium stellte 1937 Rimowa (Richard Morszeck Warenzeichen) in Köln her, als »Überseekoffer« war er nicht für Bahn- oder Autoreisende gedacht. Das 1950 eingeführte Rillen-Design erinnerte an die JU52-Flugzeuge von Junkers und wurde zum Markenzeichen auch bei den späteren Polycarbonat-Trolleys von Rimowa.

Manche Hartschalen-Koffer dienten auch dazu, die Reisegeschichte seines Besitzers zu präsentieren, indem Aufkleber die Stationen der Reise dokumentierten, Andenken wie die Pilgerzeichen oder Nagelbleche am Wanderstock.

Ist der Koffer zu, so hat die Seele Ruh'.
Sprichwort

Erst seit dem 18. Jahrhundert gewinnt ‚Koffer‘ die Bedeutung von Reisegepäck, zuvor war der Koffer ein massives, gewölbtes Behältnis, eine Truhe oder Kiste. Vergleichbare Formen finden sich in vielen germanischen, romanischen, sklawischen Sprachen (franz. und engl. Coffre), abgeleitet aus lateinischem coffrus, cofrum, cofferum, entstanden aus griechischem kóphinos κόφινος ‘großer Korb, Tragkorb’ 20). Das englische suitcase ist neueren Datums, zuvor hieß es dort 'trunk'.

Reisegepäck für eine Weltreise in 80 Tagen 1873

Als Jules Verne 1873 den Phileas Fogg auf die Reise in 80 Tagen um die Erde schickt, weist dieser seinen Diener Passepartout an:
»Keine Koffer. Nur eines Reisesackes bedarf's, mit zwei wollenen Hemden darin, und drei Paar Strümpfen; ebensoviel für Sie. Weiteres kaufen wir unterwegs. Holen Sie meinen Makintosh 21) und meine Reisedecke, und nehmen Sie gute Fußbekleidung. Uebrigens gehen wir wenig oder nicht zu Fuße. Jetzt, rasch!« 22).

»Gepäck?« antwortete er. »Habe keins.«
»Wirklich keins?«
»Yes. Bin früher so dumm gewesen, 
mich mit einer Menge von Sachen zu schleppen,
und habe mich trotzdem 
für einen tüchtigen Globetrotter gehalten.
Habe aber von dir gesehen, wie man es machen muß.
Mache es nun ebenso:
Anzug auf dem Leibe, Mantel, Waffen, Geld, weiter nichts.«
Karl May, Im Reiche des silbernen Löwen III, 1898

Rollkoffer fürs Flugzeug ab 1970

Um 1970 wurde das Flugzeug massentouristisch tauglich, dabei nahm die Zahl der Gepäckträger ab, die der Passagiere zu. Das Gepäck musste in Flughäfen weite Strecken getragen werden und in die Ablage der Flugzeuge passen. 1970 bekam der Koffer vier Rollen und eine Schlaufe zum Ziehen. So wurde er 1972 zum patentierten 23) Rollkoffer (engl. trolley, caddy). Erfunden hat den rolling suitcase der US-Amerikaner Bernard D. Sadow (1925–2011), Vize-Präsident einer Firma, die auch Koffer herstellte. 1987 hatte Robert Plath, Pilot bei Northwest Airlines, die Idee, den Koffer nur auf zwei Rollen zu stellen und einen Teleskopgriff zu montieren 24). Damit wurde der Rollkoffer massentauglich hergestellt als rollaboard (engl.) Robert Plath erhielt 1991 ein Patent darauf und gründete die Firma Travelpro 25).
Ebenfalls 1972 entwickelte die französische Firma Delsey einen rollenden Hartschalenkoffer und nannte ihn Trolley.

1)
Terzan 1994, 265 ff.; Wininger 1995, 119 ff.
2)
Thomas Oberlies (01/1998)
Veda-Schüler, Bettelasketen und Mönche.
Zur Vorgeschichte der buddhistischen Ordensregeln, online, abgerufen 12.11.2020,
Buddhismus in Geschichte und Gegenwart. Bd. 1 Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abteilung für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets. (Weiterbildendes Studium)
Georg Bühler (Übers.)
Sacred Books of the East
The sacred laws of the Aryas Band 2
Clarendon, Oxford 1882
3)
Ecclesiasticus 39: 26: »Initiumnecessarierei vine hominum aqua, ignis, et ferrum, sal, lac et panissimilagineus, et mel et botrusuve, et oleum, et vestimentum.«
4)
Peter Connolly
Die römische Armee
Tessloff-Verlag, ISBN 3-7886-0180-9
Junkelmann, Marcus
Muli [Mvli] Mariani. Marsch in römischer Legionärsrüstung über die Alpen.
80 S. Stuttgart: Württembergisches Landesmuseum; Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Würtemberg und Hohenzollern, 1985
5)
elf Mal im Neuen Testament als Stab für Reisende und Schäfer
6)
Teodor Puszcz
Das liturgische Gebet für Reisende und Pilger sowie Seefahrer:
Ein Überblick bis zur Tridentinischen Liturgiereform
LIT Verlag Münster, 2019, S. 25 - 28
7)
U. Liebl, Pilger
III. Ikonographie
in: Lexikon des Mittelalters 6 (1993), Sp. 2150-2151
Wilckens 1984
8)
Goubitz 2001
9)
de signo ad loca sancta peregrinantium
A. Franz
Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter
II. 1909. S. 272
10)
Otto Mazal
Beutelbuch, (2017) In: Lexikon des gesamten Buchwesens
11)
es sind etwa 500 unterschiedliche bekannt, oft aus Blei gegossen oder aus Blech;
Herbers, Klaus; Kühne, Hartmut [Hrsg.]
Pilgerzeichen - Pilgerstraßen
Narr Tübingen 2013, Jakobus-Studien 20
12)
Alex Braun
Japanische Thermen.
in: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik 17 (1895) 344-350
13)
Claudia Schopphoff
Der Gürtel: Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter
Böhlau Verlag Köln Weimar, 2009, 276 S.
14)
Hansisches Urkundenbuch Bd. 5, 588, 3.
15)
Hansisches Urkundenbuch Bd. 8, Nr. 84, §§ 72, 73.
16)
Mollerup 2001
17)
Neue Berliner Illustrierte
18)
Patent 85676
19)
Simba Msonzah
Procurement Power: How successful small businesses
248 S. 2024 Kindle Edition. Seite 93
20)
z.B.: bei Grimm, DWDS, Wictionary
21)
Ein wasserdichter Regenumhang, entwickelt von dem schottischen Chemiker Charles Macintosh (1766–1843)
22)
4. Kapitel, Online bei Gutenberg
23)
#3.653.474 am 04.04.1972
24)
Sharkey 2010
25)
Arikoglu 2017
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